Nastia: „Warum musste ich mein Land verlassen, um mich normal zu fühlen?“
Voneinander lernen, gemeinsam kämpfen. Das ist das Motto, unter dem Munich Kyiv Queer seit Jahren queere Menschen aus der Ukraine zum „Volunteers Workhop“ nach München einlädt. Im Fokus: Das Ehrenamt. Das Ziel: Vermitteln, was die Community dank des Engagements ihrer Mitglieder alles erreichen kann! Im „Volunteers Blog“ schreiben unsere Gäste, was sie bewegt. Nastia zum Beispiel fällt es schwer zu begreifen, warum es etwas Besonderes sein soll, einfach sie selbst zu sein?! Hier in Deutschland kann sie das.
Das Schwierigste ist zu begreifen, dass dein Leben irgendwo in Europa als normal gilt. Zu Hause aber immer noch als „Problem“.
Kann man Freiheit in dem Moment spüren, in dem man einfach den Boden eines anderen Landes betritt? Der Weg hierher war nicht einfach: erst der Bus, acht Stunden an der Grenze, dann eine Nacht in Warschau und schließlich der Flug. Ehrlich gesagt – ich war erschöpft. Aber was danach auf mich wartete, hat die ganze Müdigkeit vergessen lassen.

Die ersten Schritte in Deutschland waren für mich etwas Besonderes. Es ist ein seltsames, aber starkes Gefühl – zu begreifen, dass man sich in einem Land befindet, in dem Menschen so sein können, wie sie sind, und das Gesetz auf deiner Seite steht.
Meine Gastfamilie, ein lesbisches Paar, lebt ein ganz normales Leben
Wir landeten in einer lesbischen Community, wo wir queere Einheimische kennenlernten. Und Ukrainerinnen, die schon seit einigen Jahren hier leben.
Meine Gastfamilie – ein lesbisches Paar. Und das war der Moment, der mich wirklich berührt hat. Denn zum ersten Mal sah ich das nicht als „Idee“ oder „Diskussionsthema“, sondern als ganz normales Leben. Ein Zuhause, den Alltag, Witze, Beziehungen. Einfach eine Familie. Offiziell registriert.


Und irgendwann ertappte ich mich bei dem Gedanken: Warum erscheint mir das als etwas Besonderes, wenn es doch die Norm sein sollte?
Die Ukraine dagegen ist in den 2000ern stehen geblieben
Wir hatten ein volles Programm: Treffen, Kurse, Gespräche. Es war interessant, anderen Menschen zuzuhören und Erfahrungen auszutauschen. Besonders beeindruckt hat mich, wie die lokale queere Szene hier ihre Kultur bewahrt. Zum Beispiel ist das Queere Archiv der Stadt ein Ausdruck der Arbeit, die die Menschen schon seit Jahrzehnten leisten.
Aber gleichzeitig, als ich den Geschichten von Vertreter*innen der Organisationen und queeren Abgeordneten zuhörte, spürte ich den Unterschied noch stärker. Die Ukraine scheint in vielen Fragen gerade so in den frühen 2000er Jahren stehen geblieben zu sein. Und der Arbeitsaufwand, den die Ehrenamtlichen in diesen Organisationen leisten, ist einfach unglaublich. Wir können hier wirklich viel lernen und diese Erfahrungen übernehmen.

Diese Reise hat mir mehr gegeben als nur eine neue Erfahrung. Sie hat gezeigt, wie sehr sich das Lebensgefühl unterscheiden kann – je nachdem, wo man sich befindet.
Und jetzt habe ich eine einfache, aber unangenehme Frage: Warum musste ich mein Land verlassen, um mich normal zu fühlen?
Am Freitag sprechen Nastia und die anderen im LeZ über ihre Woche in München
Erzählcafé LGBTIQ*-Aktivist*innen aus der Ukraine berichten
Wann Freitag, 8. Mai 2026, 19 Uhr
Wo Lesbisch-Queeres Zentrum LeZ, Müllerstraße 26
Veranstaltende Gay Alliance Ukraine, LeZ, CSD München, Munich Kyiv Queer, Kulturreferat der Stadt München
So könnt Ihr helfen
EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine, die in Not oder auf der Flucht sind. Denn nicht alle sind an ukrainische LGBTIQ*-Organisationen (s.u.) angebunden. Die Hilfe ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr auf PayPal die Option „Für Freunde und Familie“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, Sprecher Munich Kyiv Queer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken.
Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Alle Gesuche aus der Community werden in Zusammenarbeit mit unseren queeren Partner-Organisationen in der Ukraine akribisch geprüft. Können sie selbst helfen, übernehmen sie. Übersteigen die Anfragen die (finanziellen und/oder materiellen) Möglichkeiten der LGBTIQ*-Organisationen, sind wir gefragt.
HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschand an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier
Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen
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