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OdesaPride 2018 – Der Marsch muss vorverlegt werden

16.08.2018 | cb
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München unterstützt den OdesaPride seit vielen Jahren. Wir schicken jedes Jahr im August eine Delegation ans Schwarze Meer, tragen mit eigenen Workshops und Kulturbeiträgen zum Gelingen des CSD im Süden der Ukraine bei. 2018 wollen wir wieder beim „Marsch der Gleichheit“ mitlaufen und schon im Vorfeld mit einer Kunstaktion die Menschen in der Stadt für Menschen- und LSBTI-Rechte einnehmen. Wir berichten in diesem Blog. Heute mit Uwe Hagenberg, Sprecher von Munich Kyiv Queer.

Montag Abend schon, 13. August, habe ich die Räume für das neue Queer Home angeschaut. Sie liegen zentral am Ende eines schönen städtischen Innenhofs. Der ist für hiesige Verhältnisse sehr aufgeräumt und schön gemacht mit Wandbildern und einer Löwenfigur direkt vor dem Eingang. Ein schwuler Mann aus München hat Geld für eine ganze Jahresmiete gegeben, damit dieses so wichtige Zentrum für die LSBTI-Community wieder eröffnen kann, nachdem die Förderung dafür ausgelaufen war. Parallel hat Münchens Lesbenchor Melodiva für ein Queer Home in der Industriestadt Krywyih Rih Geld eingesammelt. Wirklich toll!

Anna Leonova, Olena Hanich und Maria von der Trägerorganisation Gay Alliance Ukraine waren mit dem Streichen bereits fertig, der Barbereich wurde lindgrün, der große Rest des Raums freundlich gelb. Im neuen Queer Home befanden sich vorher Verkaufsräume für Brautmoden, aus dieser Zeit stammen noch die weißen Säulen, die sich jetzt gut einfügen in das helle Ambiente – trotz der Souterrainlage. Es gibt auch ein griechisch anmutendes Relief mit Kriegern und sich umfangenden Frauen. Also zumindest für die weiblichen Besucherinnen ist durchaus etwas geboten. Beim späten Abendessen danach haben wir Pläne für das neue Queer Home geschmiedet. Die Frauen sind nicht nur gute Handwerkerinnen – ein schmächtiger, männlicher Hausbewohner  war gleich besorgt, dass die Frauen Männerarbeit machen – sondern planen, organisieren und setzen ihre Pläne auch gleich selbst um.

Chorfestival, Pride-Marsch, Queer Home und Holz fürs Herz

Am Mittwochabend, 15. August, kam dann Olga Rubtsova, die das LSBTI-Chorfestival Q-Fest organisiert, das hier parallel zur Pride Week das allererste Mal stattfindet, auch mit Unterstützung aus München übrigens. Various Voices in München hat das Event inspiriert. Olga sollte unseren finanziellen Beitrag dazu entgegen zunehmen und die Abrechnung klären. Sie war ganz mitgenommen und brauchte erstmal eine Kopfschmerztablette, weil sie so angespannt ist. Offenbar machen die Behörden Druck, den Pride-Marsch einen Tag vorzuverlegen. Am ursprünglich geplanten Sonntag ist ein hoher kirchlicher Feiertag.

Da wurde mir auch klar, warum ich den ganzen Tag nichts von den Organisiererinnen gehört hatte. Da waren die Vorbereitungen für den Flashmob mit Naomi Lawrence, unserer Künstlerin, die Donnerstag anreist, die Konstruktion des geplanten Gerüsts für die Herz-Installation, die wir schon mal in München zum CSD dieses Jahr einem Testlauf unterzogen hatten, außerdem mussten für die Herzenschwünsche Zettel besorgt werden, die nicht brennen. Anna war auch hier der Sicherheitsaspekt wichtig. Dann gab es weiter Arbeit an der Ausstattung des Queer Home. Und neben der erwarteten Organisationsarbeit nun die Kontakte mit den Behörden, um das Problem des Tages für den Marsch zu lösen. In einer Stunde gibt es die offizielle Verlautbarung von der Gay Alliance Ukraine dazu.

Auf den letzten Drücker – wird alles gut!

Ich bin schon gespannt, vermute, das der Marsch nun am Samstag stattfindet. Olena meinte per Whatsapp, das sei typisch für Odesa. Dinge passieren auf den letzten Drücker. Das war ja auch die Erfahrung im vergangenen Jahr. Pride-Märsche in der Ukraine bleiben spannend, auch wenn die Organisatorinnen jedes Jahr dazu lernen. Ich bin sehr beeindruckt, wie unverdrossen, humorvoll und konstruktiv sie alle Hürden nehmen.

Eine Antwort zu “OdesaPride 2018 – Der Marsch muss vorverlegt werden”

  1. Ariane Rüdiger sagt:

    Hallo,

    toll, dass Ihr das Herz mitnehmen bzw. neu bauen wollt. Ich hab in München beim Bau mitgemacht und hatte richtig Spaß. Und den wünsche ich auch unseren LGBTI-Sisters und-Brothers in Kiew!

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