PRIDE WEEK Olena Semenova spricht im Alten Rathaus über die Situation lesbischer Frauen in der Ukraine

Olena Semenova Frauenkonferenz

Ehrengast aus Kyiw: Olena Semenova spricht im Alten Rathaus. Bild: LH München

München, 10. Juli 2013 – „Next Generation“ lautete das Motto der Münchner Frauenkonferenz 2013, die die städtische Gleichstellungsstelle für Frauen mit bundesweit bekannten Rednerinnen veranstaltete hat. Aufgrund des großen Interesses musste die Konferenz vom Großen Sitzungssaal des Rathauses in den Alten Rathaussaal verlegt werden. Michaela Pichlbauer, Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt München, begrüßte die rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und führte in das Programm der Konferenz ein, das sowohl die historischen Wurzeln als auch die modernen Entwicklungen der Frauenbewegung in Deutschland umfasste. Auch Olena Semenova war vor Ort, ukrainische LGBT-Aktivistin (New Wave) und Mitorganisatorin des KyivPride. Die junge Frau aus Münchens Partnerstadt Kyiw war zum Zeitpunkt der Konferenz aufgrund des Christopher-Street-Days in München und gab aus diesem Anlass zum Abschluss des Vormittags einen kurzen Bericht über die schwierige Situation lesbischer Frauen in der Ukraine. Ihre These: Homophobie und ein patriarchalisches Weltbild machten den Frauen in ihrem Land zu schaffen. Über Vernetzung, mit politischen Aktionen und Unterstützung aus dem Ausland fingen die Lesben in der Ukraine seit einiger Zeit an, für ihre Ziele zu kämpfen. Semenova dankte in dem Zusammenhang der Stadt München für die Unterstützung aus dem Rathaus und der LGBT-Community.
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Bürgermeisterin Strobl kennt Olena Semenova noch vom CSD 2012. Bild: Erich Harbeck

Bürgermeisterin Christine Strobl nahm davor in ihrer Eröffnungsansprache Bezug auf die historische Situation und berichtete von einer Rede der Münchner Frauenrechtlerin Toni Pfülf, die sie 1905 in einem Münchner Bierkeller in Männerkleidung hielt, da Frauen damals nicht Mitglied in politischen Vereinen sein durften. „Wenn man eine längerfristige Perspektive hat, wie diese 100 Jahre, dann sieht man, dass die Unterschiede doch sehr deutlich sind und das gibt einem immer wieder Auftrieb und auch Mut, weil man weiß, es muss was verändert werden.“ Die drei Hauptrednerinnen der Konferenz vertraten drei Generationen, die aktuell Frauenleben gestalten. Die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, referierte zum Thema „Frauenrechte aus juristischer und historischer Perspektive“ und entwickelte die rechtliche Situation von Frauen am Beispiel ihrer eigenen Familie. Ihre Urgroßmutter rief gemeinsam mit Mina Cauer 1878 zu einer politischen Versammlung auf, was den beiden Gefängnisstrafen einbrachte und „meiner Urgroßmutter die große Ehre, als eine der ersten politischen Gefangenen in einem Berliner Frauengefängnis“ in die Geschichte eingegangen zu sein. Zum aktuellen Stand der gleichstellungspolitischen Forderungen stellte sie fest, dass es ein große Freude sei, zu sehen, „…mit welcher Einigkeit im Grunde genommen heute die Quote in der freien Wirtschaft, die Abschaffung des Ehegattensplittings und der Mindestlohn in allen Reihen des Bundestages unter den Frauen und nicht nur unter den Frauen diskutiert wird“ und dass das zu gewissen Hoffnungen für die Zukunft berechtige. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, führte in ihrem Beitrag „Wie junge Frauen heute leben wollen“ an, dass Frauen heutzutage nicht nur arbeiten dürfen, sondern dies wollen, können und aufgrund der gesellschaftlichen und gesetzlichen Entwicklungen wie zum Beispiel dem novellierten Unterhaltsrecht, auch müssen. Sie belegte, dass Minijob und Teilzeit immer noch Sackgassen sind und dass Frauen in besonderem Maß durch Altersarmut gefährdet sind. Mit ihrem Vortrag „Aufbruch ins Netz“  über neue Kommunikations- und Aktionsformen verdeutlichte Teresa Bücker, Referentin für Social Media und Aktivistin aus Berlin, wie durch Internetaktionen – wie zum Beispiel dem „Aufschrei“ – Themen zu Gleichberechtigung und Frauenpolitik in der Öffentlichkeit an Bedeutung gewinnen können. Am Nachmittag fanden Diskussionsforen zu verschiedenen Schwerpunkten Münchner Frauenarbeit und -politik statt, die trotz der heißen Temperaturen völlig ausgebucht waren. Alle Vorträge können als Video auf der Internetseite der Frauengleichstellungsstelle  www.muenchen.de/frauengleichstellung abgerufen werden. (Quelle: Rathaus-Umschau, Conrad Breyer) Zurück zur Übersicht