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OdesaPride 2018: Alles ist Liebe. Der OdesaPride läuft in einem Zug durch!

19.08.2018 | cb — Keine Kommentare
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München unterstützt den OdesaPride seit vielen Jahren. Wir schicken jedes Jahr im August eine Delegation ans Schwarze Meer, tragen mit eigenen Workshops und Kulturbeiträgen zum Gelingen des CSD im Süden der Ukraine bei. 2018 wollen wir wieder beim „Marsch der Gleichheit“ mitlaufen und schon im Vorfeld mit einer Kunstaktion die Menschen in der Stadt für Menschen- und LSBTI-Rechte einnehmen. Wir berichten in diesem Blog. Heute mit Albert Knoll vom Forum Homosexualität in München.

Ein CSD in Odesa? Meine Arbeitskolleg*innen waren in höchster Aufregung. Mag das gutgehen? Man würde nichts Gutes aus der Ukraine hören: die Rechten, die Nationalisten, die Kirche. Ich versuchte sie zu beruhigen, das Land entwickelt sich. Bei uns allen blieb aber ein großer Rest Skepsis und Unsicherheit. Mein erster CSD in Osteuropa – in Odesa, einer seit jeher weltoffenen und liebenswerten Stadt. Das kann doch nur gut gehen, oder?

Alle Aktiven aus der Stadt und ihre Unterstützer*innen aus den anderen Landesteilen haben sich mächtig ins Zeug gelegt, um all das zu organisieren, was schließlich ein großer Erfolg wurde. Gut 100 Teilnehmer*innen kamen um halb zehn am Primorskaja Boulevard zusammen, der Flaniermeile der Stadt. Lesben, Schwule, Trans*, Heteros, Aids-Aktivist*innen, ein Stadtpolitiker aus Odesa (Novum!) und Vertreter aus der deutschen, britischen und kanadischen Botschaft. Und wir die München-Kyjiw-Queer-Friends Naomi Lawrence, Patricia Scherer, Uwe Hagenberg und ich.

Befragt wurden wir von zahllosen Journalist*innen, begleitet und abgeschirmt von einer Hundertschaft der Polizei. Und wir waren laut, viel lauter als die paar Gegendemonstrant*innen, auf die wir an der Potemkinschen Treppe trafen. Sie riefen uns irgendwas von den Werten der Familie zu. Wir konterten: We are family, und dass das Recht auf ein freies, menschenwürdiges Leben bitteschön für alle gelten sollte. Eine Wasserflasche flog durch die Luft und traf einen graugekleideten Popen – möge er mit queerem Wasser getauft sein.

Kein Publikum, kein Protest

Wir konnten sicher den gesamten Promorskaja Boulevard gehen. Schade, aber es geht hier (noch) nicht anders: Das Publikum war aus Sicherheitsgründen ausgesperrt. Nach gut einem Kilometer endete der Marsch am Puschkin-Denkmal. Dort gab es noch Ansprachen und Grußworte. Dann brachten uns die bereitstehenden Busse mit quietschenden Reifen in andere Stadtviertel. Alles war bestens, die Community hat sich gezeigt – manche aus Vorsicht vermummt -, aber es kamen viele und das ist der eigentliche Erfolg.

Der vierte CSD in Odesa – der dritte, der überhaupt stattfinden konnte, der erste, der es ohne Unterbrechung in gesamter Länge geschafft hat. Vielleicht ist das ein Symbol für Odesa und die Ukraine: Sie ist auf einem langen, aber wie es aussieht, erfolgreichen Weg, um für alle queeren Menschen und deren Freund*innen lebenswert zu werden. Mich haben Odesa und seine Aktivist*innen jedenfalls zum Freund gewonnen.

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