Zwei Jahre Krieg! Die Bilanz

Munich Kyiv Queer hat seit Kriegsbeginn über 200.000 Euro Spenden für queere Kriegsopfer in der Ukraine gesammelt und Geflüchteten geholfen, in München anzukommen. Die Einzelfallsoforthilfe kommt Menschen zugute, die ihren Job, ihre Heimat, Familie und Freund*innen verloren haben und/oder auf der Flucht sind. Queere Geflüchtete unterstützt Munich Kyiv Queer bei Integration und Unterkunft.

Die Solidarität mit der Ukraine ist ungebrochen – jedenfalls in München. Seit dem 24. Februar 2022 bitten wir, die sich seit 2012 im Namen der Landeshauptstadt für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, inter* und queere Menschen (englisch: LGBTIQ*) in Münchens Partnerstadt Kyjiw und darüber hinaus einsetzen, immer wieder um Spenden. Exakt 228.938,78 Euro sind bis heute zusammengekommen.

Was auf den ersten Blick nach viel Geld aussieht, entpuppte sich schnell als knappe Ressource. 200 Euro pro Person gibt die Initiative Munich Kyiv Queer bisher im Schnitt als Nothilfe einmalig an Einzelpersonen weiter. Das entspricht knapp einem halben durchschnittlichen Monatseinkommen in der Ukraine. Eine private Spendenaktion erlaubt schnelles, gebührenfreies und unbürokratisches Handeln. Und weil die Not groß ist, sind derzeit nur noch 27.682,63 Euro übrig (Stichtag: 21. Februar 2024).

Munich Kyiv Queer bei der Münchner Demo gegen Rechts im Januar 2024. Foto: Conrad Breyer

Das Geld bekommen queere Menschen in Not, die ihren Job verloren haben, die ausgebombt wurden, krank sind, fliehen mussten. Als besonders vulnerable Gruppe stehen LGBTIQ* bei so etwas oft besonders alleine da, denn sie können sich nicht immer auf stabile Familienstrukturen verlassen und ihre Freundeskreise, oft die Wahlfamilie, sind im Zuge der Fluchtbewegungen häufig auseinandergerissen worden.

Dank an die Spender*innen und das Team

Conrad Breyer, Sprecher von Munich Kyiv Queer, freut sich über die ungebrochene Solidarität. „Wir sind so unendlich dankbar für die Hilfe!“ Sie kommt aus Münchens Community, ihren vielen engagierten Menschen und Organisationen; sie kommt aus der Münchner Zivilgesellschaft und häufig von Künstler*innen, insbesondere der Drag-Szene, die Munich Kyiv Queer eine Plattform für Spenden- und Hilfsaktionen bieten. Hilfe erreicht die Münchner*innen aber auch immer wieder von außerhalb der Stadt, aus Deutschland und sogar aus dem Ausland.

Für eine kleine, ehrenamtliche Gruppe wie Munich Kyiv Queer mit nur knapp einem Dutzend Mitglieder sei es schon eine herausragende Leistung, so viel Geld eingesammelt zu haben, sagt Conrad. „Viele von uns sind seit Jahren, insbesondere aber seit Kriegsbeginn ununterbrochen im Einsatz, um Unterstützung für unsere Partner-Organisationen und Freund*innen in der Ukraine zu organisieren.“

Wie Munich Kyiv Queer hilft

Und das Engagement betrifft bei Weitem nicht nur Spenden. Munich Kyiv Queer kümmert sich auch um Menschen, die nach München gekommen sind: Wir helfen bei Behördengängen und der Bürokratie, vermitteln bei der Wohnungssuche, kümmern uns über ein Mentoring-Programm um die Integration der Geflüchteten in Stadtgesellschaft und Community.

Die Münchner Community zeigt sich solidarisch bei einem Queeren Vernetzungstreffen 2023. Foto MKQ

Mit den Spendengeldern konnte Munich Kyiv Queer bislang rund 1000 Einzelpersonen helfen, die die Mittel für Lebensmittel, Hygieneartikel, Kleidung, (HIV-)Medikamente, Operationen, Hormone, Miete, Flucht, Dokumente, auch Beerdigungen benötigen. Es fehlt an allem!

Im vergangenen halben Jahr gingen die Zuwendungen etwa an Menschen (Namen geändert) wie:

  • Vitalyna und Masha, zwei lesbische Frauen mit Kindern, die kürzlich aus dem besetzten Mariupol evakuiert wurden. Sie brauchten Geld für Miete, Papiere und Lebensmittel
  • Lina, eine trans* Frau aus Charkiw. Sie verdient derzeit nicht genug, um ihre Miete und andere Bedürfnisse komplett zu decken
  • Dmytro, ein schwuler Mann aus Pavlohrad. Er wurde verprügelt und brauchte Geld für eine Operation.

„Diese Hilfe ist für unsere Community wirklich von unschätzbarem Wert. Allein zu spüren, dass wir in diesem Krieg nicht alleingelassen werden und wir uns auf Freund*innen in München verlassen können, bedeutet uns alles“, sagt Stanislav Mishchenko, Board Member des KyivPride in Kyjiw. Auch Stas ist Mitglied von Munich Kyiv Queer.

Jede Hilfsanfrage wird in Zusammenarbeit mit den queeren Partner-Organisationen von Munich Kyiv Queer in der Ukraine auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft. Können die LGBTIQ*-Organisationen in der Ukraine selbst unterstützen, etwa durch das Ausstellen von Gutscheinen für Essen, Medikamente und Hygieneartikel, übernehmen sie gleich selbst. In allen anderen Fällen springt Munich Kyiv Queer ein.

Teil der Queeren Nothilfe Ukraine

Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass Munich Kyiv Queer mit etwa 40 anderen deutschen LGBTIQ*-Organisationen Teil des Bündnisses Queere Nothilfe Ukraine ist, das sie im Februar 2022 selbst mitgegründet hat. Die Queere Nothilfe Ukraine unterstützt dezidiert ukrainische LGBTIQ*-Organisationen. Sie hat seit dem 24. Februar über eine Million Euro eingenommen. Ukrainische LGBTIQ*-Organisationen verwenden das Geld für ihre eigenen Hilfsprogramme und für Schutzunterkünfte. Aber nicht alle queeren Menschen sind an diese Organisationen angebunden oder kennen sie; deswegen ergänzt Munich Kyiv Queer das Angebot mit seiner Einzelfallhilfe.

Ukrainische Delegation beim CSD in München 2023. Foto: MKQ

Der Krieg geht jetzt in sein drittes Jahr; ein Ende ist nicht absehbar. Wer weiterhin helfen möchte, kann das HIER tun. Auf der Seite www.MunichKyivQuer.org/helfen führen wir auch auf, wie die Spendengelder geholfen haben und wie aktuell die Lage für LGBTIQ* in der Ukraine ist. Außerdem finden sich dort Informationen über aktuell laufende Projekte.

So könnt Ihr helfen


EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine, die in Not oder auf der Flucht sind. Denn nicht alle sind an ukrainische LGBTIQ*-Organisationen (s.u.) angebunden. Die Hilfe ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr auf PayPal die Option „Für Freunde und Familie“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, Sprecher Munich Kyiv Queer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken.

Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Alle Gesuche aus der Community werden in Zusammenarbeit mit unseren queeren Partner-Organisationen in der Ukraine akribisch geprüft. Können sie selbst helfen, übernehmen sie. Übersteigen die Anfragen die (finanziellen und/oder materiellen) Möglichkeiten der LGBTIQ*-Organisationen, sind wir gefragt.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschland an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier

Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen

Dmitry ist eine Drag Queen. In seinem Blog beschreibt der junge Ukrainer, wie er den Kriegsausbruch erlebt hat und wo ihn der Angriff Russlands schließlich hingeführt hat. Er musste seine Heimatstadt verlassen, seine Familie ist geflohen, ständig hat er neue Jobs finden müssen. Einziger Lichtblick: Die Liebe! Vor Kurzem hat Dmitry jemanden kennengelernt. Unsere Kolumnistin Iryna Hanenkova hat seine Geschichte für uns aufgeschrieben.

Es ist der 24. Februar 2022. Zwischen 7:30 und 7:35 Uhr morgens, so ungefähr. Das Telefon klingelt – meine Großmutter aus Saporischschja ruft an. Ich lebe zu der Zeit in Charkiw.

  • Hallo, Dima, was ist los bei Euch?
  • Was soll denn los sein?, frage ich.
  • Ist es laut? Bombardieren sie?
  • Wovon redest du? Ich muss gleich los, zur Arbeit. Was bombardieren sie?
  • Der Krieg hat begonnen.
  • Ich rufe zurück.

Der Krieg hat begonnen. Diese Worte sind wie ein Schock. Ich rufe die Nachrichten auf und lese, was los ist. Der Krieg hat in der Tat begonnen. Ich springe aus dem Bett, zieh mich an, wecke meinen Mitbewohner und sage ihm, er solle seine Sachen packen. Vorsorglich.

Ich würde die nächste Woche in Charkiw verbringen, zum allerletzten Mal.

Wir packen alles Notwendige ein, Dokumente, Lebensmittel. Wie vorausschauend war es gewesen, dass wir ein paar Tage zuvor genug für zu Hause eingekauft hatten. Am späten Nachmittag kommt ein Freund zu Besuch, der allein lebt. Ich wollte ihn mit all dem nicht allein lassen. Eine Woche lang schlafen wir im selben Bett – bei offenem Fenster, damit wir mitkriegen, was draußen vor sich geht. Wir haben keinen Hunger, essen nichts. Wir vergessen sogar zu duschen. Wir haben Angst davor.

Am 28. Februar gehen wir das erste Mal raus, weil uns die Zigaretten ausgegangen sind und wir vor lauter Nervosität wieder das Rauchen angefangen haben. Es ist der vierte Kriegstag. Wir sehen uns im Viertel um. Überall stehen sie Schlange. Nirgendwo Zigaretten oder die Läden sind zu. Am Ende der Straße finden wir schließlich einen Shop, der auf hat.

Die Russen beschießen wahllos das Zentrum

Es ist kalt draußen, der Himmel bedeckt, wir können nichts sehen. Wir stehen zwei, zweieinhalb Stunden an. Als nur noch zwei Leute vor uns sind, hören wir herannahende Flugzeuge und Explosionen. Nie im Leben hatte ich mehr Angst. Die Flugzeuge bombardieren das Stadtzentrum. Alle rennen, wohin sie können, weil man die Flugzeuge hinter den Wolken nicht sehen kann. Es ist sehr beängstigend. Diese Gefühl werde ich wohl nie vergessen.

Charkiw im Dezember 2022. Foto: Sibylle von Tiedemann

Ich hasse die Mistkerle, die in diesen Flugzeugen sitzen. Den Abschaum, der die Rakete gebaut hat, die gerade auf mich zufliegt. Sie ist nur 10 bis 20 Meter entfernt. Ich kann sie sehen. An diesem Tag schlägt sie in der Nähe in einer Gruppe von Menschen ein, die an einer Tierhandlung anstehen. Einer Frau werden die Beine zerfetzt; sie stirbt später im Krankenhaus an den Folgen ihrer Verletzung.

Wir geben die Suche nach Zigaretten auf und gehen nach Hause. Die Straße ist mit Raketen übersät – Blindgänger.

Ich schlafe erschöpft auf dem kalten Boden ein

Am Abend wieder. Sie bombardieren das Zentrum von Charkiw mit Flugzeugen. Die City, wo ganz normale Menschen leben. An diesem Abend schlafe ich auf dem Korridor auf dem kalten Boden ein, weil ich so erschöpft bin.

In all den Tagen darauf komme ich kaum zur Ruhe. Der Beschus dauert in der Regel bis nachts um zehn, elf, und dann geht es gegen sechs, sieben Uhr morgens wieder los. Die beiden Jungs schlafen schneller ein als ich, weil ich immer auf die Geräusche achte.

Mir wird bald klar, dass ich den Verstand verliere, wenn ich hier bleibe. Am 2. März beschließe ich, die Stadt, in der ich zwei Jahre lang gelebt habe, zu verlassen. Für lange Zeit.

In Friedenszeiten brauche ich zehn Minuten und zwischen 60 bis 70 Hrywnja, um zum Bahnhof zu kommen. Jetzt kostet ein Taxi zwischen 3000 und 5000 Hrywnja. So viel Geld habe ich nicht. Ein Junge und sein Vater erklären sich bereit, mich für 1000 Hrywnja mitzunehmen. Sie holen mich in der Nähe meines Hauses ab. Ich trage einen Koffer mit mir, aus dem ich noch sechs Monate lang leben sollte. Wir fahren durch eine leere, zerstörte Stadt, über der russische Flugzeuge kreisen.

Der Bahnhof ist voller Menschen

Ich bin diesen Menschen überaus dankbar, dass sie mich rausholen. Meine Freund*innen aus Dnipro haben mich überredet, zu ihnen in die Stadt zu kommen. Und so warte auf den Evakuierungs-Zug nach Dnipro – einen ganzen Tag.

Der Bahnhof ist überfüllt mit Menschen. Es gibt zwei Züge mit Frauen und Kindern darin. Das Bahnhofspersonal und Freiwillige verteilen Milch, Wasser, Kekse. Ich habe nicht mal Wasser dabei, was ich noch bereuen werde. Mein Gehirn versucht zu verstehen, was um mich herum geschieht. Es ist absurd, es ist Irrsinn; es kann nicht sein. Aber es ist die Realität.

Endlich: Meine Eltern!

Der Zug nach Dnipro besteht aus drei Waggons. Nur drei Waggons für die Menschenmasse hier. Man könnte auch sagen: „Wie ein Hering im Glas“. Wir werden in den Zug gepfercht. In der Nähe hören wir Explosionen. Wir haben alle Angst, dass dieser Wagen zu unsem Sarg werden könnte. Als der Zug abfährt, atme ich auf. Der Albtraum hier ist vorbei. Aber die Ungewissheit, der Blick aus dem Fenster machen es nicht einfacher. Ich habe wahnsinnigen Durst und es gibt kein Wasser. Die nächsten sechs Stunden fahre ich halb bewusstlos nach Dnipro.

In Dnipro bleibe ich zwei Wochen bei meinen Freund*innen. Dann kann ich endlich nach Saporischschja zu meinen Eltern. Ich bleibe bis Anfang April.

Flucht nach Kyjiw

Zu Hause rumsitzen und nichts zu tun. Das ist das Schlimmste! Am 6. April verlasse ich Saporischschja wieder und fahre in die Hauptstadt.

Ich lebe jetzt seit eineinhalb Jahren in Kyjiw. Ich habe bereits fünf Mal den Job gewechselt, und derzeit mache ich eine Ausbildung zum Beauty-Berater. Ich arbeite gelegentlich als Drag Queen; da liegt das nahe.

Im Januar habe ich eine große Harry-Potter-Aufführung mit veranstaltet, denn ich habe schon immer viel mit Kindern gearbeitet. Ich verstehe besser als jeder andere, dass sie jetzt ein Märchen brauchen – wir alle eigentlich.

In Saporischschja hatte ich mein eigenes Club-Projekt, sechs Jahre lang. Seit Kriegsbeginn konnten wir nur zwei Partys dort veranstalten. Saporischschja ist Frontstadt. Es war so schön, endlich einmal wieder Gäste zu haben.

Alles ist anders

Der Krieg hat vieles verändert. Er hat mir die Familie genommen, die ich früher so oft gesehen habe. Meine Mutter und meine Schwester leben jetzt in England, mein Vater ist in Saporischschja geblieben, zusammen mit meiner Großmutter. Mir ist erst jetzt klar, wie wichtig meine Familie in meinem Leben immer war.

Der Krieg hat mir auch meine Lieblingsstadt genommen. Ich habe ein Jahr gebraucht, um mich vom Umzug aus Charkiw zu erholen. Ich vermisse mein blühendes, schönes und liebes Charkiw.

Immerhin habe ich endlich einen lieben Menschen kennengelernt. Ich war sechs Jahre lang allein, und irgendwie ist es passiert, dass es jetzt, vier Monate später, nicht mehr so ist. Das ist wahrscheinlich das Einzige, worüber ich glücklich bin.

Das Leben geht weiter

Ich mache Pläne und hoffe, dass bald alles vorbei ist und wir alle wieder zusammen sein können. Ich träume davon, eine weitere coole (Drag-)Produktion zu machen. Aber ich fühle mich nicht in der Lage, das Konzept dafür zu schreiben. Vielleicht werde ich es eines Tages tun, aber sicher bin ich mir nicht.

So könnt Ihr helfen


EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine, die in Not oder auf der Flucht sind. Denn nicht alle sind an ukrainische LGBTIQ*-Organisationen (s.u.) angebunden. Die Hilfe ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr auf PayPal die Option „Für Freunde und Familie“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, Sprecher Munich Kyiv Queer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken.

Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Alle Gesuche aus der Community werden in Zusammenarbeit mit unseren queeren Partner-Organisationen in der Ukraine akribisch geprüft. Können sie selbst helfen, übernehmen sie. Übersteigen die Anfragen die (finanziellen und/oder materiellen) Möglichkeiten der LGBTIQ*-Organisationen, sind wir gefragt.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschland an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier

Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen

Die russische Invasion vor eineinhalb Jahren hat für Taras alles verändert. Nachdem er seinen Job verloren hatte, zog er aus Lwiw nach Kyjiw, um Arbeit zu finden, ein neues Leben zu beginnen. Doch hat ihn dort seine neue Liebe betrogen, im Job haben ihn Kolleg*innen gegängelt, er wurde verprügelt, krank; sein Cousin kam im Krieg um. Und doch hat Taras nicht aufgegeben. Unsere Kolumnistin Iryna Hanenkova hat seine Geschichte aufgeschrieben.

Hallo, mein Name ist Taras. Ich bin 20 Jahre alt, komme aus Kyjiw, aber ursprünglich aus Lemberg. Ich bin schwul.

Während der Invasion habe ich mit einem Freund in Lemberg zusammengelebt. Am 24. Februar 2022 kam er in mein Zimmer und erzählte mir, dass der Krieg ausgebrochen sei. Natürlich habe ich ihm nicht geglaubt, aber als ich zur Arbeit ging, schrieben meine Chefs, dass wir zuhause bleiben sollten. Es war der Tag, an dem wir unsere Gehälter bekommen hätten, und alle Mitarbeiter*innen standen ohne Geld da. Sie haben es uns freilich später gegeben.

Ich habe erlebt, wie in der Nähe eine Rakete einschlug; die ganze Stadt war in Rauch gehüllt, das war schrecklich. Die Organisation, für die ich arbeitete, stellte ihren Betrieb ein. Niemand wusste, wann sie wieder öffnen würde, und so stand ich ohne Arbeit da.

Schmerzhaftes Coming-out

Das war hart, denn ich war ohnehin ganz auf mich allein gestellt. Mit meiner Familie hatte ich seit meinem Coming-out keinen Kontakt mehr. Sie haben es anfangs gut aufgenommen, aber bald schon fingen die Streitigkeiten an. Sie sagten, dass ich krank sei, ich behandelt werden müsse und dass ich Priester bräuchte, die für mich beteten. Die Auseinandersetzung mit Menschen, die mir so nahe standen, war sehr schmerzhaft für mich.

Als es erneut einen schweren Raketenangriff auf unsere Stadt gab, nahmen mich meine Freund:innen mit zu sich nach Hause und ich zog zu ihnen. Wir halfen ehrenamtlich, brachten Sachen in die Notunterkunft für Menschen, die Kyjiw verlassen hatten, und nahmen Flüchtlinge für die Nacht auf, die später ins Ausland gingen. Ich habe auch in einem Theater mitgearbeitet, wo man Sachen und Lebensmittel aus anderen Ländern anlieferte. Wir haben sie sortiert und weitergegeben.

Eines Tages erhielt ich von einem Freund die Nachricht, dass in Kyjiw ein Husky ausgesetzt worden sei, und ich beschloss, ihn zu mir zu nehmen. Ich erinnere mich an den Moment, als es schneite, ich einen Lastwagen belud und die Hündin, die ich Bella nannte, neben mir herlief. Als mal wieder der Alarm losging, rannten wir in den Keller. Viele Menschen waren dort und Bella machte alle glücklich. Ich liebe sie sehr, ich fühlte mich ruhiger mit ihr. Ich hatte jemanden, um den ich mich kümmern konnte.

Abschied von Hündin Bella

Ich fand eine Stelle als Koch. Ich arbeitete viel und lange, der Hund litt sehr unter meiner Abwesenheit. So musste ich Bella zu einem Freund geben, der ein eigenes Haus hatte. Es war eine sehr schwierige Entscheidung, aber es ging nicht anders.

Dann wurde mein früherer Job frei und ich begann, zwei Jobs zu kombinieren und sieben Tage die Woche zu arbeiten. Alles wurde teurer, Lebensmittel, Miete. Deshalb begann ich eben, wieder als Sozialarbeiter für Alliance Global zu arbeiten und Tests auf HIV, Syphilis usw. durchzuführen.

Das war alles wirklich sehr schwierig. In der Küche, wo ich arbeitete, erfuhren die Leute von meiner sexuellen Orientierung, und ich wurde schwer schikaniert. Ich habe das einen Monat lang ertragen und dann gekündigt.

Bei meiner neuen Arbeitsstelle gab es kein solches Gekeife. Ich wurde unterstützt, wir hatten alle eine gute Arbeitsbeziehung. Aber es gab Missverständnisse mit dem Chef. Ich kündigte wieder und wechselte auf eine Stelle als Verwaltungsfachangestellter.

Schließlich lernte ich über eine App einen Mann kennen, der mir sehr gefiel. Eines Tages packte ich meine Sachen und fuhr nach Kyjiw, um ihn zu treffen. Und mir wurde klar, dass ich in die Hauptstadt ziehen wollte, um in seiner Nähe zu sein.

Eine neue Liebe, ein neues Leben

Ich hatte all meine Angelegenheiten in Lemberg geregelt und war dabei, wegzuziehen – ohne aber Geld zu haben: Ich hatte Schulden, keine Freunde außer IHM. Ich sah auf Facebook eine Anzeige für eine Wohnung und mietete mich irgendwo in Kyjiw ein. Ich wusste überhaupt nichts über meinen neuen Mitbewohner, er war ein völlig Fremder…

Ich war einen Monat lang arbeitslos, und die Begegnung mit dem Mann, der mich dazu gebracht hatte, Lwiw zu verlassen, war inspirierend. Ich fühlte mich sehr glücklich, glücklich und arbeitslos. Später fand ich allerding heraus, dass mein Mitbewohner keine Miete zahlte und ich für alles aufkommen sollte. Das war sehr unangenehm, und so beschloss ich, wieder auszuziehen.

Ich wurde krank. Schmerzen quälten meinen Körper: Es fiel mir schwer, zu sprechen. Es war mir unmöglich, allein aufzustehen. Zwei Wochen lang Schmerzen zu ertragen, war der Preis dafür, dass ich nicht rechtzeitig zum Arzt gegangen war. Es stellte sich heraus, dass ich eine akute Blinddarmentzündung hatte, die operiert werden musste.

Ich hatte unglaubliche Angst. Meine Freund*innen schickten mir Geld, die Kommunikation mit meiner Mutter schien sich zu verbessern. Vor allem aber kam der Mann, in den ich verliebt war, und unterstützte mich. Die Operation war erfolgreich! Wir kamen uns näher, ich fühlte mich umsorgt und unterstützt.

Ich fand wieder Arbeit. Allerdings erfuhren sie auch dort von meiner sexuellen Orientierung und das Mobbing begann erneut. Es kam zu einer Schlägerei vor den Augen von Kunden und Kolleginnen. Ich wurde provoziert und gedemütigt, und ein Mann fing an, mich zu schlagen, weil er sich vor mir ekelte. Ich habe es ertragen, weil ich Geld brauchte. Es war Winter, ich war allein, mein Gehalt war niedrig.

Die Trennung vom Freund

Und dann: Blockte mich mein Freund in den sozialen Medien. Die Person, in die ich mich verliebt, deretwegen ich meine Heimatstadt, meine Arbeit und meine Freund:innen verlassen, mit der ich abends Weintrauben gegessen und bis zum Morgen geplaudert hatte! Irgendetwas in mir zerbrach und eine Depression begann, die drei Monate andauerte. Später fand ich heraus, dass ER ein Escort war und dass sich viele Menschen bei IHM mit Syphilis angesteckt und dass er mich überhaupt in vielerlei Hinsicht betrogen hatte.

Ich kündigte. Die Depression, der Verlust meines Arbeitsplatzes, die Suche nach einem neuen, der Mangel an finanziellen Mitteln, alles, was ich zu dieser Zeit erlebte und fühlte, wurde durch einen Anruf meiner Mutter beendet. Sie erzählte mir, dass Andriy, mein Cousin, der bei der Territorialverteidung war und damals in der Nähe von Bakhmut Dienst tat, getötet worden war. Seine Frau und seine beiden kleinen Kinder blieben allein zurück.

Der Tod des Cousins

Ich packte meine Sachen und fuhr sofort nach Lwiw. Die Trauer der Angehörigen, die Sehnsucht nach dem Verstorbenen, der Schmerz brachen mir das Herz. Der Leichnam wurde eine Woche später gebracht. Es ist unmöglich, all das wiederzugeben, was ich damals fühlte, aber ich hatte keine Zeit für Depressionen. Die Beerdigung war hart.

Als ich von der Beerdigung nach Kyjiw zurückkehrte, machte das Unternehmen, für das ich arbeitete, dicht, weil es keinen Gewinn mehr machte. Ich hatte nur noch Tausend Griwna in der Tasche, und in ein paar Tagen sollte ich die Miete bezahlen. Und die Vermieterin hatte schon angekündigt, dass sie die Miete von 5000 auf 9000 Griwna erhöhen würde. Ich dachte daran, nach Lwiw zurückzukehren…

Der Neuanfang

Glücklicherweise kam ich an Geld, mietete ein Zimmer und bekam einen Job. Dort bin ich jetzt. Die Dinge beginnen, sich zu verbessern. Ich bin jetzt Manager in einem Café. Dass ich schwul bin, ist kein Problem. Meine Kolleg*innen unterstützen mich.

Ich liebe meinen Job wirklich. Wir haben eine Wohltätigkeitsveranstaltung mit der Drag Queen Diva Milk organisiert. Wir verwandelten das Café an diesem Abend in einen kleinen Club, unterhielten die Leute und sammelten Spenden für die Streitkräfte.

Ich habe ein tolles Unternehmen, das LGBTIQ*-Menschen gut behandelt und mich in allem unterstützt. Ich möchte mich in meiner Arbeit weiterentwickeln, interessante Veranstaltungen organisieren und weiterhin für die Streitkräfte spenden. Wir glauben an unseren Sieg.

So könnt Ihr helfen


EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine, die in Not oder auf der Flucht sind. Denn nicht alle sind an ukrainische LGBTIQ*-Organisationen (s.u.) angebunden. Die Hilfe ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr auf PayPal die Option „Für Freunde und Familie“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, Sprecher Munich Kyiv Queer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken.

Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Alle Gesuche aus der Community werden in Zusammenarbeit mit unseren queeren Partner-Organisationen in der Ukraine akribisch geprüft. Können sie selbst helfen, übernehmen sie. Übersteigen die Anfragen die (finanziellen und/oder materiellen) Möglichkeiten der LGBTIQ*-Organisationen, sind wir gefragt.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschand an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort wie der Alliance Global, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier

Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen

In ihrer Laudatio hat Oleksandra Bienert von der Allianz Ukrainischer Organisationen aus Anlass der Verleihung des Hans-Peter-Hauschild-Preises der Deutschen Aids-Hilfe in Berlin an Munich Kyiv Queer die Arbeit unserer Organisation in den vergangenen Jahre gewürdigt. Hier dürfen wir den ganzen Text veröffentlichen. Wir fühlen uns geehrt und sagen Danke!

Einander sehen, wirklich sehen und wahrnehmen. Über Grenzen hinweg. Einander verstehen. Begreifen, was passiert. Erfahrungen sichtbar machen, vor allem von Menschen, die sonst unsichtbar geblieben wären.

Immer auf Augenhöhe agieren. Ein partnerschaftliches Verhältnis zu Menschen vor Ort haben. Ein nachhaltiges Engagement aufbauen, das bereits über ein Jahrzehnt hinausgeht. Dies alles betrifft die Kontaktgruppe Munich Kyiv Queer.

Verleihung durch den Vorstand Ulf Kristal (l.) und Sven Warminsky (r.) mit Laudatorin Oleksandra Bienert, Stanislav Mishchenko, Conrad Breyer und Stephanie Hügler, alle Munich Kyiv Queer. Foto: Brigitte Dummer

Liest man ihre Selbstbeschreibung auf der Web-Seite, so versteht sich die Kontaktgruppe Munich Kyiv Queer als Schnittstelle zwischen der Münchner und der queeren Szene in Kyjiw und in anderen ukrainischen Städten. Sie initiieren, vermitteln, konzipieren, koordinieren und setzen Projekte allein oder gemeinsam mit den Gruppen und Vereinen der jeweiligen Communitys um. Sie stehen mit Rat und Tat zur Seite.

Dies alles trifft zu, jedoch ist es ziemlich bescheiden von der Wirkung her. Denn diese Menschen haben Geschichte geschrieben. Und sie schreiben weiterhin Geschichte.

Die Basis: Eine Städtepartnerschaft zwischen München und Kyjiw

Entstanden ist die Gruppe zunächst im Rahmen der Städtepartnerschaft München und Kyjiw. Es kam die Idee auf, eine Delegation aus Kyjiw zum Münchner CSD 2012 einzuladen. Nach Teilnahme der Kyjiwer Delegation gab es viel Austausch und so begann die langjährige Zusammenarbeit und die Kontaktgruppe Munich Kyiv Queer.

Die ersten waren unter anderen Conrad, Sibylle, Uwe (München) und Stas (in Kyjiw). Die Kontaktgruppe ist gewachsen, blieb im Flow, war immer offen.

Und wenn sie am Anfang eine Art Brücke sein wollten (was sie immer noch sind), gibt es mittlerweile nichts, was sie nicht gemacht hätten: Übersetzungen von Büchern, Ausstellungen, Sichtbarmachung von LGBTIQ*, allen voran trans* Menschen, gemeinsame Projekte, Workshops für ehrenamtliche Volunteers, die aus der Ukraine kamen, um für eine Woche die queere Szene in München kennenzulernen, und vieles vieles mehr.

Jubiläumsveranstaltung 40 Jahre Deutsche Aidshilfe. Foto: Brigitte Dummer

Immer wurde auf Augenhöhe mitgedacht und agiert: Munich Kyiv Queer wollte vor allem tatsächlich eine Brücke sein, in der die Communitys, die in Selbsthilfe involviert waren, sichtbar werden.

Nun ist die Brücke gewachsen und wirkt viel mehr als eine Brücke. Diese Brücke ist ein Teil des Geschehens und eines der wichtigsten und erfolgreichsten internationalen kommunalen Projekte in Deutschland. Sie wirkt in beide Gesellschaft hinein – in die deutsche und ukrainische. Die Projekte reichen und strahlen mittlerweile in die Gesamt-Ukraine aus.

Ausstrahleffekte in die gesamte Ukraine

Was einfach klingt, verbirgt Tonnen von Arbeit, die jetzt schon eine ganze Generation geprägt hat – sowohl in der Ukraine, als auch in Deutschland. Zu den Partnern zählen mittlerweile Organisationen in der ganzen Ukraine – ob in Winnytsija, in Saporischschja, Odesa, Charkiw, Kyjiw, Lwiw. Auch werden verschiedene Organisationen unterstützt, die HIV-Prävention betreiben.

Eine sehr wichtige Kooperation fand mit der Gay Alliance Ukraine statt, vor allem in den ukrainischen Regionen. 2016, als die Finanzierungsprogramme für die HIV-Prävention in der Ukraine gestoppt wurden, hat Munich Kyiv Queer die Queer Homes mit Spenden finanziert. Was bedeutet es, ein Queer Home in einer ukrainischen Region zu haben? Es bedeutet Safe Space. Es bedeutet Selbstbestimmung, Entscheidungsfreiheit. Es bedeutet, ein Mensch sein zu können, ohne sich verstecken oder verstellen zu müssen.

Hans-Peter-Hauschild-Preisträger*innen Conrad Breyer, Stephanie Hügler, Stanislav Mishchenko (v.l.) von Munich Kyiv Queer. Foto: Brigitte Dummer

Ein weiteres schönes Beispiel war die Einladung queerer Chöre aus der Ukraine zur Teilnahme am queeren Chorfestival Various Voices in München 2018. In Odesa wurde dann nach dem Beispiel und mit gewonnenen Kontakten ein ähnliches Festival organisiert: das Q-Fest: Nun luden Menschen aus der Ukraine Münchner queere Chöre nach Odesa ein. Ich könnte noch stundenlang solche Projekte aufzählen.

Launch Pride – der Beginn von Sichtbarkeit

Einer der wichtigsten Meilensteine war die Teilnahme seit 2012 am jährlich stattfindenden KyivPride mit einer Münchener Delegation, die in manchen Jahren über 20 Personen zählte. Ich bewundere den Mut dieser Menschen, die mit ihrer Präsenz nicht nur Unterstützung geleistet, sondern nachhaltig die Entwicklungen in der Ukraine beeinflusst.

Die ersten KyivPrides bedeuteten konkrete Lebensgefahr oder Gefahr für die Gesundheit für alle Teilnehmenden. Der Zusammenhalt der ukrainischen Queer-Szene und die internationale Präsenz hat die Situation aber im Laufe der Jahre verändert. Es wurde Druck auf die Politik ausgeübt. Munich Kyiv Queer war in ihrer Unterstützung eine der ersten Organisationen, die nachhaltig etwas bewirkt haben. Nach ein paar Jahren hat diese Unterstützung dem KyivPride geholfen, wortwörtlich aus den Höfen auf die Hauptstraßen zu kommen. Sowohl in psychischem Sinne, als auch metaphorisch gemeint.

Der KyivPride konnte nun stattfinden.

Jubiläumsveranstaltung „40 Jahre Deutsche Aidshilfe“ mit Barbie Breakout (r.) und Holger Wicht. Foto: Brigitte Dummer

Nach der russischen Invasion am 24. Februar 2022 fand eine Neuerfindung von Munich Kyiv Queer als Hilfsorganisation statt.

Man leistet Einzelfallhilfe, Hilfe für LGBTIQ*-Organisationen in der Ukraine – für queere Kriegsopfer in Not, oder auf der Flucht. Munich Kyiv Queer war Mitbegründer des Bündnisses „Queere Nothilfe Ukraine“ mit über 40 Organisationen in Deutschland, das eine Million Euro für die Hilfe für queere Menschen in der Not gesammelt hat und mit über 15 lokalen NGOs in der Ukraine kooperiert. Dabei waren unter anderem die über Jahre aufgebauten Kontakte und Erfahrungen von Munich Kyiv Queer ganz entscheidend dafür, dass die Hilfe schnell ankommen konnte.

Solidaritätsreisen ins Kriegsgebiet

Mitglieder von Munich Kyiv Queer, unter anderen Sibylle, sind in die Ukraine gereist, um Solidarität mit ihren Freund*innen in der Ukraine zu zeigen, Hilfe zu überreichen, vor allem um den Menschen nah zu sein. Sibylle hat in der Ukraine Raketenangriffe erlebt, aber auch große Dankbarkeit von Menschen vor Ort, dass sie nicht vergessen werden. Ihre Reise hat sie mit Filmen und Texten dokumentiert und Spenden gesammelt. Allein von dieser Reise kamen 14.000 Euro zusammen.

Munich Kyiv Queer sammelt aber auch Geschichten unter dem Motto „Wie lebt Ihr im Krieg?“ und schärft so das öffentliche Bewusstsein für queere Schicksale. Hier möchte ich auf eine Geschichte von Lera, einer trans* Person aus Oleschki im Gebiet Cherson, aufmerksam machen. Oleschki ist immer noch nicht befreit. Dank Munich Kyiv Queer wissen wir, was es heißt, in den von Russland okkupierten Territorien als trans* Person zu leben.

Lera konnte mit der Hilfe der Chersoner Organisation „Insha“ über die Krim, später Russland und Estland nach Berlin fliehen, wo sie heute lebt.

Jubiläumsveranstaltung „40 Jahre Deutsche Aidshilfe“. Foto: Brigitte Dummer

Munich Kyiv Queer setzt sich jetzt aber auch für die Einrichtung von Sheltern ein zur Unterbringung von queeren Geflüchteten aus der Ukraine in sicheren Zufluchtsunterkünften. Das Ziel dabei war und ist darüber hinaus zu erreichen, dass queere Geflüchtete auch in den Communitys in Deutschland ankommen können. Eine Mammutaufgabe. Eine weitere von vielen.

In Berlin wurde am 11. Juli 2023 die Fotoausstellung „Ich bin aus der Ukraine, ich bin in der Ukraine“ mit Fotos und Geschichten von queeren Menschen aus der Ukraine eröffnet.

Die Ausstellung wurde vom KyivPride erstellt, dank Munich Kyiv Queer erschien sie in Deutschland auch auf Deutsch. Die Stationen in Berlin wurden in Zusammenarbeit mit PlusUkrDe – Positive Ukrainer in Deutschland e.V. und der Allianz Ukrainischer Organisationen e.V. organisiert. Wieder konnten queere Schicksale im Krieg sichtbarer werden.

Ein Dank an Munich Kyiv Queer

Ich danke der Kontaktgruppe Munich Kyiv Queer herzlich für ihre Arbeit, für das große Herz, für ihren Mut, für das leuchtende Beispiel der grenzenlosen Solidarität und Menschlichkeit.

Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine dauert an. Menschen, insbesondere queere Menschen in der Ukraine und die, die sich auf der Flucht befinden, benötigen weiterhin unsere Hilfe und Solidarität. Es geht um Zufluchtsorte, um Safe Spaces, um weitere Arbeit gegen Diskriminierung.

Hans-Peter-Hauschild-Preisträger*innen Munich Kyiv Queer und AIDS-Hilfe Emsland. Foto: Brigitte Dummer

In diesem Jahr haben zum ersten mal in der Geschichte der Ukraine das ukrainische Verteidigungs-, das Justizministerium sowie einige Ausschüsse des ukrainischen Parlaments einen Gesetzentwurf über die Registrierung von eingetragenen Partnerschaften offiziell unterstützt. Nun erwarten wir alle die Entscheidung des Parlaments. Dieser Durchbruch ist auch internationalen Verbündeten wie Munich Kyiv Queer zu verdanken. Sie schreiben mit ihrer Tätigkeit in der Tat Geschichte.

Hans Peter Hausschild, der Namensgeber des heute zu überreichenden Preises, stand mit seiner ganzen Person und Arbeit für das „Verlernen der sozialen Grenzen“. Die Arbeit von Munich Kyiv Queer mit ihrer grenzlosen Solidarität erfolgt ganz im Geist dieses „Verlernens“ und „Überwindens“ der Grenzen und der Solidarität.

Mit den besten Wünschen für die Zukunft

Ich wünsche Munich Kyiv Queer für die weitere Arbeit ganz viel Kraft und freue mich sehr, dass der Hans-Peter-Hauschild-Preis heute an sie heute überreicht wird.

Munich Kyiv Queer sammelt weiter Geschichten von LGBTIQ* in der Ukraine. Wir fragen uns: Wie lebt Ihr mit diesem Krieg? Wir wollen das Bewusstsein für die Schicksale queerer Menschen schärfen und um Spenden werben. Dies ist die Geschichte von Volodymyr.

Volodymyr lebt in der Region Ternopil. Er ist 24 Jahre alt und kann keine Arbeit finden. Es gibt einfach keine Jobs mehr. Deshalb hat er sich mehrfach an die LGBTIQ*-Organisation „You are not alone“ gewandt und um Hilfe gebeten. Und sie haben geholfen. Dank ihnen konnte er Lebensmittel, Medikamente und Hygieneartikel kaufen. Sie haben ihm dafür Gutscheine gegeben, aber auch Geld. Hier ist sein VIDEO

„You are not alone“ wird vom Bündnis Queere Nothilfe Ukraine unterstützt, dem auch Munich Kyiv Queer angehört. Es sind Eure Spenden, die hier etwas bewirken. Dafür eine herzliche Umarmung!

Vielen Dank auch an Oleksandra Semenova, die uns bei diesem Videoprojekt geholfen hat. Danke an Matt und Stas für die Untertitel. Und Danke an Nikita für die ukrainische Übersetzung.

So könnt Ihr helfen


EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine, die in Not oder auf der Flucht sind. Denn nicht alle sind an ukrainische LGBTIQ*-Organisationen (s.u.) angebunden. Die Hilfe ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr auf PayPal die Option „Für Freunde und Familie“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, Sprecher Munich Kyiv Queer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken.

Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Alle Gesuche aus der Community werden in Zusammenarbeit mit unseren queeren Partner-Organisationen in der Ukraine akribisch geprüft. Können sie selbst helfen, übernehmen sie. Übersteigen die Anfragen die (finanziellen und/oder materiellen) Möglichkeiten der LGBTIQ*-Organisationen, sind wir gefragt.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschand an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort wie „You are not alone“, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen wie im Falle von Volodymyr. Spendet hier

Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen

Munich Kyiv Queer sammelt weiter Geschichten von LGBTIQ* in der Ukraine. Wie lebt Ihr mit diesem Krieg? Wir wollen das Bewusstsein für die Situation einer vulnerablen Gruppe schärfen und für Spenden trommeln. Dies ist die Geschichte von Natalya.

Natalya erzählt uns vom Leben in Cherson. Ihre Frau und ihr Kind hatten das Land bereits zu Beginn des Krieges verlassen. Sie ist auf sich allein gestellt. Die ganze Zeit war sie in der besetzten Region geblieben und versuchte durchzuhalten. Doch dann brach der Damm von Kachowka. KLICKT AUF DAS FOTO, UM DAS VIDEO ZU SCHAUEN

Natalya wirkt zunächst gefasst, als sie von den Tagen erzählt, die sie danach erlebt hat. Es muss die Hölle gewesen sein. Aber man merkt ihr an, dass sie die Sache mitnimmt. Sie haben kein Trinkwasser mehr, nicht immer Strom. Natalya hat ihren Job verloren, kein Geld zum Leben.

Sie sagt, nach der Befreiung seien viele Menschen voller Hoffnung nach Cherson zurückgekommen, aber die ist verloren. Natalya will nur noch überleben.

Vielen Dank an die NGO „You are not alone“, insbesondere an Oleksandra Semenova, die uns bei diesem Videoprojekt geholfen hat. Und Danke an Matt und Stas für die Untertitel.

So könnt Ihr helfen:


EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer Menschen in der Ukraine, die Hilfe brauchen und nicht an queere Organisationen angebunden sind. Das ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr die Option „Geld an Familie & Freunde senden“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschand an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort wie „You are not alone“, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier

Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen

Hanna hat früh begriffen, dass sie eigentlich asexuell ist. Die 29-Jährige hat ihr Leben seitdem für sich ganz neu ausgerichtet. Die traumatischen Erlebnisse, die sie früher gemacht hat, bringt der Krieg allerdings wieder zurück. Unsere Kolumnistin Iryna Hanenkova hat Hanna getroffen.

Die Geschichte meines Lebens beginnt in Charkiw. Es ist die Stadt meiner Kraft, die Stadt meiner Träume, meine Alma Mater. Sie hat mich gelehrt, wie man lebt und überlebt, wie man liebt und kämpft. Heute kämpft das ganze Land in einem Krieg.

Mein eigener „Krieg“ begann, als ich erkannte, dass ich anders bin, asexuell. Trotzdem versuchte ich, allen zu beweisen, dass ich „wie alle anderen“ bin, um ja nicht aufzufallen. Das hatte Folgen.

Hanna. Foto: privat

Als ich die Kraft hatte, beendete ich eine Beziehung, die mir aufgezwungen war, und fühlte mich besser, körperlich natürlich und psychisch. Zu dieser Zeit begann ich, mich intensiv mit mir selbst zu beschäftigen.

Ich war etwa 16 oder 17 Jahre alt, als ich merkte, dass ich nicht an Sex interessiert war, sondern vor allem an Beziehungen zu Menschen. Ich beschloss, Artikel darüber zu lesen und erfuhr von Menschen, die romantische, aber keine körperliche Anziehung empfinden. Seitdem interessiere ich mich für die Themen Geschlecht und Sex, für die „Normen“ und die „Ausnahmen“, die die Gesellschaft für uns festgelegt hat.

Endlich lernte ich mich selbst kennen, baute Grenzen und Beziehungen auf, die für mich und meine Lieben angenehm waren. Ich erkundete die Welt und öffnete mich ihr so weit wie möglich nach all der Gewalt, die ich erlebt hatte.

Ich baute eine Mauer auf

Während des Krieges verschlechterte sich mein Zustand. Wie mir meine Psychotherapeutin erklärte, reagiert mein Gehirn schmerzhaft auf jede Form von Aggression und Gewalt, sowohl auf direkte wie indirekte (z. B. in den Nachrichten). Infolgedessen wurde ich empfindlicher für die Reize um mich herum. Und meine Grenzen, die ich im Laufe der Jahre zum Selbstschutz aufgebaut hatte, glichen bald einer Steinmauer. Ich war starr und unfreundlich.

Ich hatte Stress, den Job zu verlieren, Angst um mein Leben …

Hinzu kamen Belästigungen auf der Straße, die mich schließlich zum Schweigen brachten. Die Anmache von Männern vertieften meine Abneigung gegen mich selbst, meinen Körper und alles, was in irgendeiner Weise mit Sexualität zu tun hatte.

Mein Leben als Asexuelle und die Auseinandersetzung damit dauern schon seit meiner Kindheit an. Wenn ich mich selbst damals analysiere, fallen mir Episoden auf, die darauf hindeuten. Ich glaube heute, dass es normal ist, asexuell zu sein, nicht nur körperliche Freuden zu bevorzugen, sondern auch emotionale, intellektuelle usw. Das war für mich immer die Norm.

Im Laufe der Jahre habe ich Situationen erlebt, in denen meine Grenzen verletzt wurden. Und ich glaube, da bin ich nicht die Einzige. Es ist wichtig, darüber zu sprechen, damit es nicht nur eine traumatische Erinnerung bleibt, sondern in das Leben eingewoben wird und uns stärker macht.

Das Rascheln der Blätter beruhigt mich

Jetzt, mitten im Krieg, helfen mir Dinge, die die Sinne ansprechen, mich zu erden: Gerüche, Berührungen, Geschmäcker, visuelle Eindrücke. Das kann zum Beispiel das Lesen bei Kerzenschein sein. Oder der Sonnenaufgang draußen, wenn das leise Rascheln der Blätter oder das Zwitschern kleiner Vögel zu hören ist.

Und natürlich glaube ich an den Sieg unseres Landes und daran, dass jede*r Einzelne von uns wichtig ist, egal wo und wie wir sind.

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Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen

Singt Ihr gern, wenn vielleicht auch nicht immer perfekt? Habt Ihr Lust, Menschen aus der Ukraine zu treffen, sie kennenzulernen und vielleicht Freundschaft mit ihnen zu schließen? Dann haben wir das perfekte Abendprogramm für Euch.

Beim Karaoke-Wettbewerb am Dienstag, den 11. April, ab 19 Uhr im LeZ treffen sich Deutsche und Ukrainer*innen, um gemeinsam um die Wette zu singen.

Veranstalter ist das Pat*innenprogramm DACH von Munich Kyiv Queer.  

Karaoke. Foto von Theo Eilertsen Photography auf Unsplash

Bei dem Karaoke-Abend, den unsere liebe Freundin Oleksandra Semenova von der NGO „You are not alone“ mit Stephanie Hügler organisiert hat, geht es vor allem darum, das eigene Show-Talent unter Beweis zu stellen, sich mit anderen zu messen und gemeinsam Spaß zu haben. Den Gewinner*innen winken coole Preise.

Gemeinsam Singen schafft Freundschaften

Wir wollen mit unserem Pat*innenprogramms ukrainische und deutsche Queers in Kontakt bringen; sie sollen sich in der Community kennen und schätzen lernen.

Langfristig erhoffen wir uns davon stabile Mentor-Mentee-Beziehungen zwischen Menschen aus der Ukraine und aus Deutschland (Eins-zu-Eins-Mentoring). Eine Pflicht, eine Mentoren- oder Patenschaft zu übernehmen, besteht aber nicht!

Karaoke-Abend. Grafik: Natalia Nazarenko / NGO „You are not alone“

Wann: Dienstag, 11. April, 19.00 Uhr
Wo: LeZ, Müllerstraße 26, München
Anmeldung: mentoring@munichkyivqueer.org (Marco und Steffi)
Veranstaltende: Munich Kyiv Queer, LeZ

So könnt Ihr helfen


EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer Menschen in der Ukraine, die Hilfe brauchen und nicht an queere Organisationen angebunden sind. Das ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr die Option „Geld an Familie & Freunde senden“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken. Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Wir kennen sie persönlich und wir vermissen sie schmerzlich.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschand an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier

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Neuer Termin wegen großer Nachfrage! 6.500 Kilometer mit dem Zug durch die Ukraine. Sibylle von Tiedemann war dort, wo gerade niemand sein will. Im Krieg. In der Ukraine. Bei ihrer #FundReise durch das geschundene Land besuchte sie Freund*innen und LGBTIQ*-Organisationen in Kyjiw, Odesa, Charkiw und wurde mit offenen Armen empfangen. Im LeZ hat sie ihren Vortrag schon gehalten. Am Mittwoch, 29. März, lädt sie ab 19.30 Uhr nun nochmal ins schwul-queere Zentrum SUB, Müllerstraße 14. Mit ukrainischer Lotterie!

Erst war es nur eine vage Idee, aber sie nahm bald konkret Gestalt an. Ende November trat Sibylle, Mitfrau und -gründerin von Munich Kyiv Queer, außerdem promovierte Slawistin und Historikerin, ihre Reise in die Ukraine an.

Sie fuhr, weil sie vor Ort sein wollte. Bei ihren Freund*innen, in dem Land, das sie liebt, in der Stadt Kyjiw auch, die ihr in den vergangenen Jahren so sehr ans Herz gewachsen war.

Sibylle vor Panzern. Im Hintergrund: Die Sofienkathedrale. Foto: Sibylle von Tiedemann

Außerdem wollte Sibylle Spenden sammeln: für die Soforthilfe von Munich Kyiv Queer und die „Brücke für Kiew“, einen Verein, der sich für hilfsbedürftige Personen, insbesondere Kinder und kinderreiche Familien, finanziell schwache, gering verdienende und/oder auch Tschernobyl-geschädigte Personen in der Ukraine einsetzt. An Spenden – 18.000 Euro waren und sind das Ziel – kamen bislang knapp 14.000 Euro zusammen.

Spender*innen können Wein, Kaffee und Klopapier aus der Ukraine gewinnen

Am Ende blieb sie über einen Monat. Im schwul-queeren Zentrum SUB, Müllerstraße 14, wird sie am Mittwoch, 29. März, um 19.30 Uhr erneut einen Vortrag zu ihrer Reise halten. Die erste Veranstaltung dazu im LeZ war gut besucht; nicht alle Interessierte konnten teilnehmen. Deshalb zeigt Sibylle jetzt nochmal Fotos und Videos, spricht über ihre Erlebnisse. Die Moderation des Abends übernimmt Conrad Breyer, Sprecher von Munich Kyiv Queer.

Herzliche Einladung! Flyer: Stanislav Mishchenko

Unter Spender*innen (ab 50 Euro) – Munich Kyiv Queer unterstützt wie gesagt über eine private Spendenaktion ukrainische LGBTIQ* in Not mit Einzelfallhilfen – verlosen wir Mitbringsel aus der Ukraine, wie Craft Wein aus Odesa, Klopapier mit dem Konterfei Putins und Kaffee, auf dessen Packung der populär gewordene Spruch eines ukrainischen Soldaten prangt, der mit seiner Truppe auf der Schlangeninsel die Kapitulation verweigerte. Er sagte: „Russisches Kriegsschiff, f… dich!“

Sibylle war in den vergangenen Jahren oft in der Ukraine. Munich Kyiv Queer gibt es seit 2012. Die Gruppe setzt sich für die Menschenrechte von LGBTIQ* in Münchens Partnerstadt Kyjiw, inzwischen auch darüber hinaus ein. Sibylle hat die Gruppe bei ihren Aktionen häufig begleitet, etwa beim Pride.

Am Bahnhof in Kyjiw. Trotz Kriegs fahren die Züge pünktlich. Foto: Sibylle von Tiedemann

Für das NS-Dokumentationszentrum München hat Sibylle als wissenschaftliche Mitarbeiterin außerdem ehemalige Ostarbeiter*innen interviewt, die in der NS-Zeit zur Zwangsarbeit nach München deportiert worden waren.

2018 hat sie das Gedenkbuch für die Münchner Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde für das NS-Dokumentationszentrum und den Bezirk Oberbayern mitherausgegeben. Es war ein Meilenstein in ihrem Engagement für diese vergessene Opfergruppe der NS-Gewaltherrschaft.

Sibylle am Strand von Odesa. Foto: Sibylle von Tiedemann

Ihre Reise hat Sibylle gut vorbereitet. Sie hat sich mit Expert- und Freund*innen ausgetauscht, die ihren Reiseplänen mit großer Wertschätzung begegneten. Auch die Menschen vor Ort begrüßten sie von Herzen. Von ihren persönlichen Beobachtungen hat Sibylle in einem vielbeachteten Blog berichtet, den man hier nachlesen kann.

Die Geschichten, die sie dort aufgeschrieben hat, berühren. Queere Menschen leiden im Krieg als vulnerable Gruppe besonders. Der Blog erzählt aber auch von Mut, kreativem Protest und Aufbruchstimmung, einem Alltag in dem von Putins Truppen terrorisierten Land.

Ihren Reisebericht versteht sie als Auftrag

Sie sagt: „Ich konnte es nicht ertragen, dem Elend von der Ferne zuzusehen, hier ein Herzchen über Facebook zu senden, dort ein #StandWithUkraine zu posten, da Geld zu überweisen.“

Sibylle vor zerstörten Häusern in Charkiw. Foto: Sibylle von Tiedemann

In Charkiw hat ihr eine junge Ukrainerin Häuser gezeigt, in denen bis vor Kurzem noch Menschen wohnten. Sie sind ausgebrannt. „Erzähl in Deutschland davon“, gab sie ihr mit auf dem Weg. Sibylle versteht das als Auftrag.

Wann: Mittwoch, 29. März, 19.30 Uhr
Wo: SUB, Müllerstraße 14, München
Kontakt: info@MunichKyivQueer.org
Veranstaltende: Munich Kyiv Queer, SUB, CSD München, Kulturreferat der Stadt München

So könnt Ihr helfen


EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer Menschen in der Ukraine, die Hilfe brauchen und nicht an queere Organisationen angebunden sind. Das ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr die Option „Geld an Familie & Freunde senden“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken. Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Wir kennen sie persönlich und wir vermissen sie schmerzlich.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschand an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier

Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen

UNTERKUNFT FÜR QUEERE GEFLÜCHTETE AUS DER UKRAINE „Home is where the heart is“, lautet ein englisches Sprichwort, aber ein Herz alleine schafft noch keinen Wohnraum. Wir kümmern uns deshalb gemeinsam um Unterkünfte für queere Menschen. Wir mieten je nach Verfügbarkeit Zwei-, Drei-, Vier- oder Fünf-Zimmer-Wohnungen an und vermieten sie an Bedürftige in Form von Wohngemeinschaften weiter. Noch hat unser Verein keine Förderung, deshalb sind wir auf Spenden angewiesen. Wir müssen zum Beispiel Mieten und Kautionen vorstrecken, bis das Jobcenter einspringt.

  • Münchner Bank eG
  • IBAN DE16 7019 0000 0003 1425 66
  • Munich Queer Homes e.V.

Fragen? https://munichkyivqueer.org/munich-queer-homes/

Iwan Gonzyk ist eine Diva, im Grunde aber einfach ein schwuler Mann. Nur, dass er manchmal gerne seine feminine Seite auslebt. Jetzt ist er Soldat. Unser Autor Evgen Lesnoy hat Iwan in seinem YouTube-Kanal interviewt. Auf der Grundlage des Video-Gesprächs ist dieser Text entstanden.

Iwan stammt aus der Region Cherson und zwar dem Teil, in dem gerade die russischen Besatzer ihr Unwesen treiben. Seine Eltern sind dort geblieben. Iwan selbst lebt schon seit einiger Zeit in Kyjiw.

Pole Dance auf High Heels

Unser Protagonist ist ausgebildeter Sanitäter. Er war bereits 2015 in der Armee, nahm an Kampfeinsätzen im besetzten Donbas teil.

Iwan ist ein kreativer Mensch: Er liebt das Tanzen und das Show-Business. Der gelernte Maskenbildner hat mit vielen ukrainischen Stars gearbeitet, die wir hier in Deutschland nicht kennen. Er hat selbst in Nachtclubs getanzt. Ein Mann beim Pole Dance auf Stöckelschuhen – was gibt es Schöneres!? Doch von dieser Welt musste er sich jetzt erstmal für eine Weile verabschieden.

Iwan in High Heels. Foto: privat

Als im Februar 2022 der große Krieg ausbrach, war Iwan klar, dass sein Land seine Dienste als Sanitäter jetzt erstmal dringender brauchte als eine Tänzerin an der Stange. Er packte seinen Rucksack, trat in die Armee ein und beschloss: Keine Geheimnisse mehr!

Die Offenheit mobilisiert Hilfe

Nichts mehr aus seinem Leben sollte vor irgendwem verborgen bleiben, schon gar nicht vor seinen Kamerad*innen! All die extravaganten Fotos und Videos auf Instagram waren ab sofort öffentlich zugänglich. In gewisser Weise war das sogar hilfreich.

All seine Follower, die mitbekamen, dass Iwan in den Kampf zog, sahen es jetzt auf Instagram und begannen, zu helfen.

Iwan organsiert Hilfe für Soldat*innen und die Menschen, die noch in den Städten nahe der Front wohnen. Er ist nicht mehr glamourös, sondern karitativ unterwegs, besorgte seinem Bataillon ein Auto, Waschmaschine und Mikrowelle. Über Medizin brauchen wir nicht zu reden.

Im Einsatz vor Bachmut

Aber Iwans Hauptaufgabe besteht jetzt eigentlich darin, Menschenleben zu retten. Mindestens dreimal pro Woche fährt er nach Bachmut, um dort verwundete Kämpfer*innen abzuholen.

Bachmut kennt man aus den Nachrichten! Seit einem halben Jahr versuchen die russischen Horden, die Stadt zu erobern.

Iwan führt auch einen Informationskrieg gegen Homo- und Transfeindlichkeit. Obwohl er in seinem Bataillon nicht direkt damit konfrontiert ist, muss er dennoch vieles erklären. Das archaische Verständnis von Familie und Liebe, insbesondere bei Menschen mit sowjetischer und postsowjetischer Erziehung, ist ein großes Problem.

Iwan sagt, dass er sich unter anderem deshalb geoutet hat, weil er sich wünscht, dass die Ukraine ein echtes europäisches Land wird, in dem Menschenrechte etwas zählen. Er sagt jetzt offen, dass er schwul ist und dass er im Krieg war, damit nach dem Sieg niemand sagen kann: Ihr LGBTIQ*-Leute wart nicht an der Front…

Russlands Staatsfeind: der schwule Mann

Im russischen Fernsehen wird er zur besten Sendezeit fast jede Woche als Hauptfeind vorgeführt. Wie kommt es, fragen die, dass sich ein Schwuler traut, sein Land zu verteidigen?

Einen Traum hat Iwan auch. Er möchte irgendwann einmal in zwei Ländern leben, der Ukraine auf der einen, in der Tschechischen Republik oder Spanien auf der anderen Seite. Er hat sich da noch nicht entschieden. Zuerst muss die Ukraine den Krieg gewinnen.

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EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer Menschen in der Ukraine, die nicht an queere Organisationen angebunden sind. Das ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr die Option „Geld an Familie & Freunde senden“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken. Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Wir kennen sie persönlich und wir vermissen sie schmerzlich.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschand an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort wie dem KyivPride, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier

Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen

UNTERKUNFT FÜR QUEERE GEFLÜCHTETE AUS DER UKRAINE „Home is where the heart is“, lautet ein englisches Sprichwort, aber ein Herz alleine schafft noch keinen Wohnraum. Wir kümmern uns deshalb gemeinsam um Unterkünfte für queere Menschen. Wir mieten je nach Verfügbarkeit Zwei-, Drei-, Vier- oder Fünf-Zimmer-Wohnungen an und vermieten sie an Bedürftige in Form von Wohngemeinschaften weiter. Noch hat unser Verein keine Förderung, deshalb sind wir auf Spenden angewiesen. Wir müssen zum Beispiel Mieten und Kautionen vorstrecken, bis das Jobcenter einspringt.

  • Münchner Bank eG
  • IBAN DE16 7019 0000 0003 1425 66
  • Munich Queer Homes e.V.

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