„Ich will nicht weg hier aus der Ukraine“

Das ist die Geschichte von Manila Boss, einer Drag Queen aus der Ukraine. Die 28-Jährige erzählt, wie sie den Ausbruch des Krieges erlebt hat. Manila teilt ihre bewegende Reise, die Momente der Angst, des Überlebenswillens und der Solidarität, die ihr halfen, inmitten des Chaos die Hoffnung nicht zu verlieren. Unsere Kolumnistin Iryna Hanenkova hat Manila getroffen und ihre Story notiert.

Wie ich den Krieg kennenlernte? Unter der Bettdecke. Etwa eine Woche vor Ausbruch hatte ich so meine Vorahnungen, aber im 21. Jahrhundert schien ein großer Krieg weit entfernt. Ich saß zuhause und dachte, dass solche Dinge heute nicht mehr passieren. Doch das Schicksal hatte andere Pläne für uns.

Mein Freund ist Soldat, und am 23. Februar abends verkündete er mir, ich solle nachts vorsichtig sein, sonst könnte mir etwas passieren. Als dann am 24. Februar um sechs Uhr morgens meine Mutter anrief, war mir schnell klar, was er gemeint hatte: Sie sagte: „Sohn, der Krieg hat begonnen. Steh auf, pack ein paar Dokumente und sei bereit.“ Meine Mutter wusste nicht, was sie mir raten sollte, denn wir leben in verschiedenen Städten.

Ich legte den Hörer auf und während ich noch auf dem Bett saß, hörte ich die ersten heftigen Explosionen. Das Chaos begann. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, wohin ich gehen oder wo ich mich verstecken sollte. Die Angst überwältigte mich und ich fühlte mich hilflos.

Die Flucht vor den Raketen

In diesem Moment erreichte mich der Anruf eines Freundes. Er sagte mir, ich solle zu ihm in die WG kommen, wir müssten zusammenbleiben. Ohne zu zögern, schnappte ich meine Dokumente und einige Kleidungsstücke, rief ein Taxi und machte mich auf den Weg. Die Explosionen in der Ferne begleiteten mich; ich wusste nicht, ob ich sicher ankommen würde.

Überraschenderweise kam das Taxi schnell, ich fuhr unter den Explosionen zu meinen Freund*innen und wusste nicht, ob ich dort ankommen würde…

Während der ersten drei Wochen lebte ich in dieser Wohngemeinschaft. Bei jedem Luftangriff rannten wir, suchten Deckung, oft im Gelände eines Nachtclubs, in dem ich früher aufgetreten war. Der Club lag unterirdisch und schien relativ sicher.

Dann, als die Situation im Land klarer wurde, kehrte ich alleine nach Hause zurück. Ich fand mich in einem neuen Leben wieder. Der Club, in dem ich aufgetreten war, hatte seine Türen geschlossen – klar.

Hoffnung inmitten des Chaos

Gott sei Dank hatte und habe ich noch einen anderen Job, der mich über Wasser gehalten hat. Ich arbeite für die Jugendorganisation Partner. Unsere Zielgruppe sind LGBTIQ*.

Vor dem Krieg führten wir Tests auf STI durch und verteilten Verhütungsmittel. Nach Kriegsbeginn begannen wir, Binnenvertriebenen zu helfen, die aus den nahe gelegenen Städten Cherson und Mykolajiw geflohen waren.

Wir versorgten sie mit Lebensmitteln und humanitären Hilfsgütern, und für trans* Personen begannen wir, kostenlose Hormonersatztherapien anzubieten. Das machen wir bis heute…

Die Ukraine wird triumphieren

Anderthalb Jahre lang trat ich nicht auf einer Bühne vor Publikum auf. Ich wusste nicht, ob ich je wieder auftreten würde. Ich wusste nicht, ob irgendjemand das jetzt brauchte. Aber – Wunder! – vor Kurzem rief mich der Direktor des Clubs an, in dem ich früher auf der Bühne stand, und sagte: Manila, wir arbeiten wieder!

Von den ersten Tagen des Krieges an war ich auf dem Territorium meines Landes!!! Und ich wollte und will nicht weg von dort! Ich bin zu Hause!!! In der Ukraine!

Während ich diese Zeilen schreibe, geht der Krieg unvermindert weiter. Doch ich glaube fest daran, dass die Ukraine siegen wird. Ich bin stolz auf unsere ukrainischen Streitkräfte und auf unser Volk. Alles wird gut werden, denn am Ende wird die Ukraine triumphieren.

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Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Alle Gesuche aus der Community werden in Zusammenarbeit mit unseren queeren Partner-Organisationen in der Ukraine akribisch geprüft. Können sie selbst helfen, übernehmen sie. Übersteigen die Anfragen die (finanziellen und/oder materiellen) Möglichkeiten der LGBTIQ*-Organisationen, sind wir gefragt.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschland an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier

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Dmitry ist eine Drag Queen. In seinem Blog beschreibt der junge Ukrainer, wie er den Kriegsausbruch erlebt hat und wo ihn der Angriff Russlands schließlich hingeführt hat. Er musste seine Heimatstadt verlassen, seine Familie ist geflohen, ständig hat er neue Jobs finden müssen. Einziger Lichtblick: Die Liebe! Vor Kurzem hat Dmitry jemanden kennengelernt. Unsere Kolumnistin Iryna Hanenkova hat seine Geschichte für uns aufgeschrieben.

Es ist der 24. Februar 2022. Zwischen 7:30 und 7:35 Uhr morgens, so ungefähr. Das Telefon klingelt – meine Großmutter aus Saporischschja ruft an. Ich lebe zu der Zeit in Charkiw.

  • Hallo, Dima, was ist los bei Euch?
  • Was soll denn los sein?, frage ich.
  • Ist es laut? Bombardieren sie?
  • Wovon redest du? Ich muss gleich los, zur Arbeit. Was bombardieren sie?
  • Der Krieg hat begonnen.
  • Ich rufe zurück.

Der Krieg hat begonnen. Diese Worte sind wie ein Schock. Ich rufe die Nachrichten auf und lese, was los ist. Der Krieg hat in der Tat begonnen. Ich springe aus dem Bett, zieh mich an, wecke meinen Mitbewohner und sage ihm, er solle seine Sachen packen. Vorsorglich.

Ich würde die nächste Woche in Charkiw verbringen, zum allerletzten Mal.

Wir packen alles Notwendige ein, Dokumente, Lebensmittel. Wie vorausschauend war es gewesen, dass wir ein paar Tage zuvor genug für zu Hause eingekauft hatten. Am späten Nachmittag kommt ein Freund zu Besuch, der allein lebt. Ich wollte ihn mit all dem nicht allein lassen. Eine Woche lang schlafen wir im selben Bett – bei offenem Fenster, damit wir mitkriegen, was draußen vor sich geht. Wir haben keinen Hunger, essen nichts. Wir vergessen sogar zu duschen. Wir haben Angst davor.

Am 28. Februar gehen wir das erste Mal raus, weil uns die Zigaretten ausgegangen sind und wir vor lauter Nervosität wieder das Rauchen angefangen haben. Es ist der vierte Kriegstag. Wir sehen uns im Viertel um. Überall stehen sie Schlange. Nirgendwo Zigaretten oder die Läden sind zu. Am Ende der Straße finden wir schließlich einen Shop, der auf hat.

Die Russen beschießen wahllos das Zentrum

Es ist kalt draußen, der Himmel bedeckt, wir können nichts sehen. Wir stehen zwei, zweieinhalb Stunden an. Als nur noch zwei Leute vor uns sind, hören wir herannahende Flugzeuge und Explosionen. Nie im Leben hatte ich mehr Angst. Die Flugzeuge bombardieren das Stadtzentrum. Alle rennen, wohin sie können, weil man die Flugzeuge hinter den Wolken nicht sehen kann. Es ist sehr beängstigend. Diese Gefühl werde ich wohl nie vergessen.

Charkiw im Dezember 2022. Foto: Sibylle von Tiedemann

Ich hasse die Mistkerle, die in diesen Flugzeugen sitzen. Den Abschaum, der die Rakete gebaut hat, die gerade auf mich zufliegt. Sie ist nur 10 bis 20 Meter entfernt. Ich kann sie sehen. An diesem Tag schlägt sie in der Nähe in einer Gruppe von Menschen ein, die an einer Tierhandlung anstehen. Einer Frau werden die Beine zerfetzt; sie stirbt später im Krankenhaus an den Folgen ihrer Verletzung.

Wir geben die Suche nach Zigaretten auf und gehen nach Hause. Die Straße ist mit Raketen übersät – Blindgänger.

Ich schlafe erschöpft auf dem kalten Boden ein

Am Abend wieder. Sie bombardieren das Zentrum von Charkiw mit Flugzeugen. Die City, wo ganz normale Menschen leben. An diesem Abend schlafe ich auf dem Korridor auf dem kalten Boden ein, weil ich so erschöpft bin.

In all den Tagen darauf komme ich kaum zur Ruhe. Der Beschus dauert in der Regel bis nachts um zehn, elf, und dann geht es gegen sechs, sieben Uhr morgens wieder los. Die beiden Jungs schlafen schneller ein als ich, weil ich immer auf die Geräusche achte.

Mir wird bald klar, dass ich den Verstand verliere, wenn ich hier bleibe. Am 2. März beschließe ich, die Stadt, in der ich zwei Jahre lang gelebt habe, zu verlassen. Für lange Zeit.

In Friedenszeiten brauche ich zehn Minuten und zwischen 60 bis 70 Hrywnja, um zum Bahnhof zu kommen. Jetzt kostet ein Taxi zwischen 3000 und 5000 Hrywnja. So viel Geld habe ich nicht. Ein Junge und sein Vater erklären sich bereit, mich für 1000 Hrywnja mitzunehmen. Sie holen mich in der Nähe meines Hauses ab. Ich trage einen Koffer mit mir, aus dem ich noch sechs Monate lang leben sollte. Wir fahren durch eine leere, zerstörte Stadt, über der russische Flugzeuge kreisen.

Der Bahnhof ist voller Menschen

Ich bin diesen Menschen überaus dankbar, dass sie mich rausholen. Meine Freund*innen aus Dnipro haben mich überredet, zu ihnen in die Stadt zu kommen. Und so warte auf den Evakuierungs-Zug nach Dnipro – einen ganzen Tag.

Der Bahnhof ist überfüllt mit Menschen. Es gibt zwei Züge mit Frauen und Kindern darin. Das Bahnhofspersonal und Freiwillige verteilen Milch, Wasser, Kekse. Ich habe nicht mal Wasser dabei, was ich noch bereuen werde. Mein Gehirn versucht zu verstehen, was um mich herum geschieht. Es ist absurd, es ist Irrsinn; es kann nicht sein. Aber es ist die Realität.

Endlich: Meine Eltern!

Der Zug nach Dnipro besteht aus drei Waggons. Nur drei Waggons für die Menschenmasse hier. Man könnte auch sagen: „Wie ein Hering im Glas“. Wir werden in den Zug gepfercht. In der Nähe hören wir Explosionen. Wir haben alle Angst, dass dieser Wagen zu unsem Sarg werden könnte. Als der Zug abfährt, atme ich auf. Der Albtraum hier ist vorbei. Aber die Ungewissheit, der Blick aus dem Fenster machen es nicht einfacher. Ich habe wahnsinnigen Durst und es gibt kein Wasser. Die nächsten sechs Stunden fahre ich halb bewusstlos nach Dnipro.

In Dnipro bleibe ich zwei Wochen bei meinen Freund*innen. Dann kann ich endlich nach Saporischschja zu meinen Eltern. Ich bleibe bis Anfang April.

Flucht nach Kyjiw

Zu Hause rumsitzen und nichts zu tun. Das ist das Schlimmste! Am 6. April verlasse ich Saporischschja wieder und fahre in die Hauptstadt.

Ich lebe jetzt seit eineinhalb Jahren in Kyjiw. Ich habe bereits fünf Mal den Job gewechselt, und derzeit mache ich eine Ausbildung zum Beauty-Berater. Ich arbeite gelegentlich als Drag Queen; da liegt das nahe.

Im Januar habe ich eine große Harry-Potter-Aufführung mit veranstaltet, denn ich habe schon immer viel mit Kindern gearbeitet. Ich verstehe besser als jeder andere, dass sie jetzt ein Märchen brauchen – wir alle eigentlich.

In Saporischschja hatte ich mein eigenes Club-Projekt, sechs Jahre lang. Seit Kriegsbeginn konnten wir nur zwei Partys dort veranstalten. Saporischschja ist Frontstadt. Es war so schön, endlich einmal wieder Gäste zu haben.

Alles ist anders

Der Krieg hat vieles verändert. Er hat mir die Familie genommen, die ich früher so oft gesehen habe. Meine Mutter und meine Schwester leben jetzt in England, mein Vater ist in Saporischschja geblieben, zusammen mit meiner Großmutter. Mir ist erst jetzt klar, wie wichtig meine Familie in meinem Leben immer war.

Der Krieg hat mir auch meine Lieblingsstadt genommen. Ich habe ein Jahr gebraucht, um mich vom Umzug aus Charkiw zu erholen. Ich vermisse mein blühendes, schönes und liebes Charkiw.

Immerhin habe ich endlich einen lieben Menschen kennengelernt. Ich war sechs Jahre lang allein, und irgendwie ist es passiert, dass es jetzt, vier Monate später, nicht mehr so ist. Das ist wahrscheinlich das Einzige, worüber ich glücklich bin.

Das Leben geht weiter

Ich mache Pläne und hoffe, dass bald alles vorbei ist und wir alle wieder zusammen sein können. Ich träume davon, eine weitere coole (Drag-)Produktion zu machen. Aber ich fühle mich nicht in der Lage, das Konzept dafür zu schreiben. Vielleicht werde ich es eines Tages tun, aber sicher bin ich mir nicht.

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Krieg und kein Ende. Munich Kyiv Queer sammelt deshalb weiter Geschichten von LGBTIQ* in der Ukraine. Wir fragen uns: Wie lebt Ihr mit diesem Krieg? Wie lebt Ihr in diesem Krieg? Wir wollen das Bewusstsein für das Schicksal queerer Menschen schärfen und um Spenden werben. Dies ist die Geschichte von Oleksandra.

Zwei Monate hat Oleksandra noch in Mariupol ausgeharrt, als die Stadt am Asowschen Meer von der russischen Armee bereits besetzt war. Dann hat sie es wie durch ein Wunder geschafft, aus Mariupol rauszukommen. Ihr Haus dort wurde vollständig zerstört. Nur wenigen ist die Flucht gelungen.

Mit ihrer Freundin ist Oleksandra Richtung Westen aufgebrochen. Heute leben sie in Ivano-Frankivsk. Das ist gut, auch einen Job hat sie gefunden. Allerdings deckt das Gehalt, das sie dort bekommt, gerade einmal die Miete ab. Und irgendwie seien sie beide nicht unterprivilegiert genug, um Mittel für Lebensmittel, Medikamente, Hygieneartikel und Kleidung zu bekommen. Da sei „You are not alone“ für die beiden tatsächlich die einzige Hilfe gewesen, für die sie sehr dankbar sind. Oleksandra und ihre Freundin hoffen, dass die LGBTIQ*-Community in der Ukraine weiterhin von uns unterstützt wird. VIDEO

„You are not alone“ wird vom Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mit finanziert, dem auch Munich Kyiv Queer angehört. Es sind Eure Spenden, die hier etwas bewirken.

Danke an alle Mitwirkenden!

Vielen Dank auch an Oleksandra Semenova, die uns bei diesem Videoprojekt geholfen hat. Danke an Matt und Stas für die Untertitel. Und Danke an Nikita für die ukrainische Übersetzung.

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Pawel wurde eingezogen, noch bevor Russland seinen vollumfänglichen Krieg lostrat. Als der erste Schuss fiel, war Pawel dann bereits im Schützengraben. Seitdem kämpft er. Für ihn als schwulen Mann ist das doppelt schwer: Da ist die Angst vor dem Feind, die Panik vor dem Outing und die ständige Sorge um seinen Freund, der ebenfalls dient. Wie Pawels Kamerad:innen mit seiner sexuellen Orientierung umgehen, hat unsere Kolumnistin Iryna Hanenkova für uns protokolliert. Soviel sei vorweggenommen: Leicht hat es Pawel nicht.

Mein Name ist Pasha, ich bin 22 Jahre alt. Ich bin beim Militär, als Flugabwehrkanonier, und ich bin schwul.

Mein Dienst begann mit der Einberufung zum Wehrdienst. Als Russland seinen Krieg gegen die Ukraine entfesselte, wurden wir automatisch eingezogen. In der Armee wusste erst niemand etwas über mich, bis mich die Kamerad*innen beim Chatten erwischt haben. Der Chat war ziemlich eindeutig ;).

Nach und nach wussten alle Bescheid. Die Leute lästerten, manchmal bezog ich Prügel.

Niemand hatte an einen Krieg geglaubt

Als der Krieg losging, war das für mich schwierig. Ich war noch nie im Krieg und ich war auch nicht dafür ausgebildet.

Wir hatten nicht so recht daran geglaubt, dass es tatsächlich Krieg geben könnte. Man sagte uns, wir sollten gehen, also gingen wir, gruben Gräben und warteten einfach ab. Als dann der Beschuss kam, bekam ich wirklich Angst. Unsere Kommandanten haben es mit Witzen versucht, damit wir nicht in Panik gerieten.

Was meine Orientierung anging, war das vielen Leuten egal. Wir hatten eine Aufgabe, und die erfüllten wir. Wenn es ruhiger war, brachten die Jungs manchmal das Thema auf. Blödes Zeug, Witze, ohne etwas davon zu verstehen.

Manchmal hat es mich verletzt, manchmal haben wir gestritten. Aber im Allgemeinen bereitetet mir meine sexuelle Orientierung keine großen Schwierigkeiten. Die meisten Jungs akzeptieren die Tatsache, dass ich schwul bin.

Auch Freund Vlad kämpft an der Front

Was meinen Freund angeht: Eine Fernbeziehung zu führen, ist wirklich sehr schwierig, vor allem im Krieg. Als Vladyslav und ich zusammenkamen, war er noch ein Zivilist. Wir haben uns dann entschieden, dass auch er zum Militär gehen sollte. Er dient in der Region Volyn.

Anfangs war alles so romantisch. Als ich in Mykolajiw war, habe ich Vladyslav kennengelernt. Wir schrieben uns eine Woche lang SMS und riefen einander an. Danach kam er zu mir, und wir beschlossen, zu daten. Das ist lange her.

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Emin stammt ursprünglich aus Aserbaidschan. Vor Jahren kam er in die Ukraine, um zu arbeiten. Nach einem schwierigen Coming-out hat er hier die Liebe seines Lebens gefunden, Vlad. Und er hat Menschen kennengelernt, die ihn so akzeptieren, wie er ist. Niemals würde Emin aus dem Land fliehen – obwohl er könnte. Ein Portrait von Evgen Lesnoy.

Wer glaubt, dass in der Ukraine nur Ukrainer*innen leben, täuscht sich. Anders als es uns die russische Propaganda glauben lassen will, gibt es in unserem Land keine Zwangs-Ukrainisierung. Selbst Russisch sprechen im zweiten Jahr des Krieges selbstverständlich noch immer viele Menschen in den östlichen und südlichen Teilen der Nation.

In der Ukraine leben viele Menschen, die hierher kamen, um zu arbeiten. Sie stammen aus den Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Und obwohl viele von ihnen keine ukrainischen Staatsbürger*innen sind, ist die Ukraine ihr Heimatland. Trotz des Krieges sind viele von ihnen geblieben, wie Emin.

Vlad und Emin. Foto: privat

Als Emin kennen ihn all seine Verwandten. Er ist 42 Jahre alt und Bürger Aserbaidschans. Allerdings lebt Emin nun schon seit über 15 Jahren in der Ukraine, in Kyjiw, um genau zu sein, den Außenbezirken der Hauptstadt.

Emin hatte sein Coming-out in der Ukraine. Er hat davor in der alten Heimat, auch in Moskau, wo er vor langer Zeit gewohnt hat, immer wieder versucht, sein Homosexualität zu unterdrücken. Aber man kann eben nicht gegen seine Natur leben.

Vald und Emin lernen sich beim Haareschneiden kennen

In der Ukraine hat er seine große Liebe gefunden. Vladik lernte er kennen, als der zum Haareschneiden kam. Denn Emin ist Friseur, obwohl er ganz früher mal Koch gelernt hat.

Seine Erfahrung in der Küche kam ihm in den ersten Monaten des Krieges zugute. Aber dazu gleich mehr.

Sie haben alle auf den Krieg gewartet. Keiner wollte glauben, dass er wirklich kommt, aber alle haben darauf gewartet. Emin und Vlad hatten, wie viele andere auch, ihre Koffer gepackt; sie standen im Flur.

Aber weder Vlad noch Emin machten dann von ihnen Gebrauch. Vom ersten Tag an, als die russischen Panzer auf Kyjiw zurollten, nur 15 Kilometer entfernt, beschloss das schwule Paar: Das ist unser Zuhause. Hier wollen wir bleiben.

Für das ganze Hause fing Emin plötzlich an Fladenbrot zu backen, wie er es von seiner Mutter gelernt hatte

In jenen Tagen organisierte der Wohnkomplex, in dem die beiden leben, seine eigene Territorialverteidigung. Waffen hatten sie zwar nicht, aber es war wichtig, Plünderer und Saboteure fernzuhalten. Vlad kommunizierte ständig mit verschiedenen ausländischen Medien, denn er spricht fließend Arabisch, Hebräisch und Englisch, und berichtete, was in Kyjiw vor sich ging: Dass die ukrainische Hauptstadt standhält und den Feind nicht reinlässt.

Emin nahm eine Schaufel und befestigte den Komplex zusammen mit den anderen. Und als die Geschäfte im Viertel schlossen, begann er, Brot zu backen. Freiwillige Helfer*innen brachten Mehl; mit den Nachbar*innen kneteten sie den Teig und machten Fladenbrote daraus, wie sie Emins Mutter in Aserbaidschan früher immer zubereitet hat.

Damals, im Februar 2022, als die russischen Truppen vor den Mauern Kyjiws standen, haben sie Emin oft gefragt: Warum gehst du nicht weg? Du bist kein Ukrainer und nicht wehrpflichtig. Warum bleibst du hier?

Emin hatte dafür nur eine Antwort: „Hier lebt Vladik, er ist mein große Liebe, mein Ehemann. Wie kann ich ihn verlassen? Wie kann ich Euch verlassen? Immerhin habt ihr uns alle aufgenommen. Ich habe nicht ein einziges homophobes Wort über uns gehört. Ich bin kein ukrainischer Staatsbürger, aber ich bin Ukrainer. Ein aserbaidschanischer Ukrainer. Ich werde bis zum Ende bei euch bleiben.“

In der Ukraine hat Emin eine neue Heimat gefunden, die er nicht verlassen will

Über ein Jahr ist vergangen und der Krieg hat sich von den Mauern Kyjiws entfernt. Im Sommer nahm sich Emin Zeit, in die Heimat zu fahren, um seine Mutter in Aserbaidschan zu besuchen. Und natürlich ist er zurückgekommen. Denn hier in der Ukraine hat er alles, was er zum Leben braucht: ein Zuhause und Menschen, die ihn so akzeptieren, wie er ist.

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In der Ukraine kämpfen viele trans* Menschen in der Armee. Sie wehren sich gegen den Aggressor, der ihr Leben bedroht. Sie setzen sich damit aber auch für Sichtbarkeit und Akzeptanz von LGBTIQ* ein wie Antonina. Eine Geschichte zum Transgender Day of Visibility von unserem Korrespondenten Evgen Lesnoy.

Seit neun Jahren sind Antonina und Sascha ein Paar. Und seit sieben Monaten gemeinsam in der territorialen Verteidigungseinheit des ukrainischen Militärs aktiv. Antonina Romanowa ist eine non-binäre Person; ihr Pronomen ist „sie“. Vor vielen Jahren lernte Antonina, damals noch Anton, Sascha kennen. Erst später wurde sie sich ihrer Identität bewusst.

Sascha schreckte das nicht. Er musste sich lediglich daran gewöhnen, seinen Lieblingsmenschen nun in weiblicher Form anzusprechen. Bis zur Invasion arbeiteten beide fürs Theater. Gemeinsam entwickelten sie konzeptuelle Stücke, Performances.

Antonina (r.) und Sascha. Foto: privat

Schon am dritten Tag nach Angriff der russischen Truppen meldeten sie sich in Kyjiw bei der Armee. Antonina sagt, da habe es keine große Wahl gegeben. Zitternd zu Hause sitzen und sich vor den russischen Raketen verstecken? Nicht für sie! Die beiden hatten sich vor dem 24. Februar 2022 kaum vorstellen können, jemals eine Waffe in der Hand zu halten. Wo doch gerade sie von ihren Nachbar:innen so oft für ihre offen gelebte „nicht-traditionelle“ Liebe verhöhnt worden waren.

Beim Militär erfüllte sich für Antonina ein Traum

Als sie zur Territorialverteidigung kamen, beschlossen sie, ihre Gender-Identität und sexuelle Orientierung nicht zu verheimlichen. Jede:r Militärangehörige muss einen Rufnamen haben. Antoninas Traum ging in Erfüllung: Sie durfte sich mit Rufnamen Antonina nennen. In ihren Dokumenten steht bisher noch Anton, doch sie ist überzeugt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sich das ändert.

Zunächst wurden die zwei in Kyjiw stationiert und ausgebildet. Sie lernten, mit Waffen umzugehen, Schützengräben auszuheben und sich vor russischen Drohnen zu verstecken. Dann hat man sie an die südliche Front verlegt. Jetzt kämpfen Sascha und Antonina.

Die LGBTIQ*-Community unterstützt die beiden. Alle haben Geld für ihre Uniformen, Panzerwesten und andere im Krieg wichtige Dinge gesammelt.

Antonina freut sich sehr, im Süden zu kämpfen, denn sie kommt von der Krim. Nach deren Annexion musste sie ihr Zuhause verlassen. Sie träumt davon, einst mit der ukrainischen Flagge auf ihre geliebte Krim zurückzukehren. Ihr großer Wunsch ist, dass der Pride einmal an der Küste der okkupierten Halbinsel stattfinden kann.

Die Angst vor dem Verlust

Ihrer beider größte Angst? Dass die/der andere umkommen könnte. Dann stünde der/dem Überlebenden laut Gesetz keine staatliche Hilfe zu, denn bisher gibt es in der Ukraine keine gesetzliche Regelung dafür. Sie hoffen, ja erwarten, dass die Ukraine demnächst ein Gesetz über gleichgeschlechtliche Ehen erlassen wird. Tatsächlich diskutiert das Parlament bereits darüber.

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