Volodymyr: „München hat mir gezeigt, wie die Zukunft aussehen kann“
Voneinander lernen, gemeinsam kämpfen. Das ist das Motto, unter dem Munich Kyiv Queer seit Jahren queere Menschen aus der Ukraine zum „Volunteers Workhop“ nach München einlädt. Im Fokus: Das Ehrenamt. Das Ziel: Vermitteln, was die Community dank des Engagements ihrer Mitglieder alles erreichen kann! Im „Volunteers Blog“ schreiben unsere Gäste, was sie bewegt. Volodymyr war ganz besonders von der Münchner Polizei beeindruckt, die queere Menschen in ihren Rechten schützt.
Jede Reise ist mit Stress verbunden, doch die Fahrt von Kyjiw nach München wurde für mich zu einer echten Bewährungsprobe. Jetzt, da sich die Emotionen etwas gelegt haben, wird mir klar: Es war extrem schwierig, aber gleichzeitig lebenswichtig.
Wenn Pläne auf ihre Belastbarkeit geprüft werden
Es begann nicht ganz nach Plan. Die tückische Klimaanlage im Zug erwies sich als stärker als mein Immunsystem, und ich wurde krank. Fieber und Schwäche sind nicht gerade die besten Begleiter für eine Reise ins Ausland.

Aber ich wusste ja, warum ich nach München reisen sollte. Dieses Treffen hatte für mich oberste Priorität, daher musste die Krankheit meinem Wunsch weichen, mehr zu erfahren und etwas an mir und meiner Umgebung zu verändern.
Deutschland empfing mich mit unglaublicher Herzlichkeit und ich spreche hier nicht vom Wetter, sondern von den Menschen. Die letzten vier Tage haben mir eine enorme Menge an Wissen und Emotionen beschert, die ich immer noch versuche, einzuordnen.
Die Polizei schützt Menschenrechte
Am meisten beeindruckt haben mich die Menschenrechte und die Rolle der Polizei: Es war äußerst interessant zu erfahren, wie das System in Deutschland funktioniert. Hier ist die Polizei nicht nur eine Kontrollinstanz, sondern ein echter Verteidiger der Menschenrechte, insbesondere der LGBTIQ*-Community.
Das ist das Sicherheitsniveau, das auch wir anstreben sollten. Genau deshalb möchte ich besonders darauf eingehen und erzählen, dass ein besonderer Höhepunkt unseres Tages das Treffen mit der Polizistin Anita war. Ihre Erzählung ist genau das, wonach wir in der Ukraine streben.

Die Münchner Polizei ist verpflichtet zu handeln, wenn es Meldungen über Diskriminierung oder Gewalt gegen LGBTIQ*-Personen gibt. Das ist nicht nur guter Wille, sondern eine klare gesetzliche Vorgabe in Deutschland.
In Deutschland ist der Schutz der Rechte der LGBTIQ*-Community gesetzlich verankert, und das gibt den Menschen die Sicherheit, sich bei Bedarf an die Polizei zu wenden, ohne Angst zu haben, dass es schlimm werden könnte, sondern im Gegenteil, dass man ihnen zuhört und das Problem löst.
Anita hat ihre Kontaktdaten zur Verfügung gestellt, damit ukrainische Aktivist*innen sich an sie wenden, diese Erfahrungen übernehmen und unsere Behörden sowie die Polizei dazu anleiten können, die Probleme der Gemeinschaft ernst zu nehmen und ihnen die gebührende Bedeutung beizumessen. Deshalb wollen wir, dass die Polizei in der Ukraine ein Garant für die Sicherheit jedes Einzelnen ist, unabhängig von der sexuellen Orientierung oder Gender-Identität.
Eine unglaubliche Gastfreundschaft
Es gab auch andere Themen, die ich unbedingt erwähnen muss – wichtige Themen über trans* Personen, ihre Transition und die Herausforderungen und Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind. Das ist eine tiefgreifende Erfahrung, die enormes Einfühlungsvermögen und Verständnis erfordert, und hier müssen wir auch von unseren Kolleg*innen aus München lernen.

Ich möchte noch hinzufügen, dass ich wunderbare Menschen getroffen habe, deren Freundlichkeit und Gastfreundschaft einfach keine Grenzen kennen. Ich wurde so herzlich aufgenommen, wie ich mir in meinem Leben nie hätte vorstellen können, dass ein Fremder so leicht und herzlich aufgenommen werden kann. Deshalb habe ich mir zum Ziel gesetzt, dass solche Unterstützung die Kraft gibt, weiterzumachen, selbst wenn es so scheint, als gäbe es keine Ressourcen mehr.
Nur ungern kehre ich mit meinen Gedanken nach Kyjiw zurück, wo ich von Eindrücken überwältigt sein werde. Und so traurig es auch sein mag, aber ich muss begreifen, dass dies kein Traum und nicht einfach nur „Alltag als Tourist“ ist, sondern eine ganze Geschichte, die einen Anfang hat und kein Ende.
Die Zukunft liegt in der Vergangenheit Münchens
Es wird notwendig sein, die Erfahrungen der deutschen LGBTIQ*-Community unseren Aktivist*innen zu erzählen und mit ihnen zu teilen, damit wir in Zukunft analysieren und handeln können. Und im Moment müssen wir klar definieren, welche Punkte unsere strategischen Ziele werden sollen. Wir haben schon viel erreicht, aber die Erfahrungen der Kolleg*innen aus München zeigen uns, in welche Richtung wir uns weiterentwickeln müssen.
München hat mir gezeigt, wie die Zukunft aussehen kann, in der die Rechte jedes Einzelnen geschützt sind und Solidarität nicht nur ein Wort ist.
So könnt Ihr helfen
EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine, die in Not oder auf der Flucht sind. Denn nicht alle sind an ukrainische LGBTIQ*-Organisationen (s.u.) angebunden. Die Hilfe ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr auf PayPal die Option „Für Freunde und Familie“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, Sprecher Munich Kyiv Queer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken.
Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Alle Gesuche aus der Community werden in Zusammenarbeit mit unseren queeren Partner-Organisationen in der Ukraine akribisch geprüft. Können sie selbst helfen, übernehmen sie. Übersteigen die Anfragen die (finanziellen und/oder materiellen) Möglichkeiten der LGBTIQ*-Organisationen, sind wir gefragt.
HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschand an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier
Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen
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