Nach einem Zugunfall flieht Marina nach Berlin

Sie kann sich an den Ausbruch des Krieges kaum erinnern. Marina hatte einen Zuganfall und seitdem plagt sie das Gedächtnis. Außerdem hört sie nichts, so dass sie die ersten Explosionen nicht mitbekommen hat. Unsere Freundin und Aktivistin Iryna Hanenkova hat Marina gebeten, uns ihre Geschichte zu erzählen.

Ich hab erst gar nicht begriffen, dass Russland einen Krieg gegen mein Land begonnen hat. Ich bin gehörlos, wie meine Eltern. Wir haben den Fliegeralarm und die Explosionen einfach nicht registriert.

Ich entsinne mich kaum, was am 24. Februar alles passiert ist. Es ist lange her und es fällt mir ganz allgemein schwer, mich an irgendetwas zu erinnern. Am 17. Dezember vergangenen Jahres bin ich unter einen Zug gekommen, seitdem habe ich große Probleme mit meinem Gedächtnis.

Marina Ivanenko. Foto: privat

Ich glaube, ich hatte Angst um meine Familie. Alles, was wir in den Nachrichten lasen, alles, was zu Beginn des Krieges in Odesa geschah, machte uns Angst. Deshalb beschloss meine Mutter schon am 8. März, uns außer Landes zu bringen.

Sie meinte, die Armee brauche das Krankenhaus jetzt mehr als ich und ich musste schließlich nach dem Zugunfall in die Reha. Deutschland hat ein gutes Gesundheitssystem und jetzt sind wir hier.

Den Hund haben wir zurückgelassen

Es war sehr schwer für mich, mein Zuhause aufzugeben. Unseren Hund mussten wir bei den Nachbarn lassen, die uns auch sonst immer viel geholfen haben. Wenn wir zum Beispiel einen Krankenwagen brauchten, liefen wir zu ihnen. Wir können uns ja nicht am Telefon verständigen. Ich hoffe, unser Hund denkt nicht, dass wir ihn vergessen haben. Ich hoffe, dass es ihm gut geht.

Marina Ivanenko. Foto: privat

Ich bin Deutschland und insbesondere den Menschen in Berlin sehr dankbar für die Hilfe und Unterstützung, die wir erhalten haben. Wir sind seit vielen Monaten hier und hoffen auf den baldigen Sieg. Wir wollen zurückkehren und in einer freien Ukraine leben. 

So könnt Ihr helfen

EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine wie Marina. Denn nicht alle LGBTIQ* sind an queere Organisationen angebunden. Das ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr die Option „Geld an Familie & Freunde senden“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken. Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Wir kennen sie persönlich und wir vermissen sie schmerzlich.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschland an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier

Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen

UNTERKUNFT FÜR QUEERE GEFLÜCHTETE AUS DER UKRAINE „Home is where the heart is“, lautet ein englisches Sprichwort, aber ein Herz alleine schafft noch keinen Wohnraum. Wir kümmern uns deshalb gemeinsam um Unterkünfte für queere Menschen. Wir mieten je nach Verfügbarkeit Zwei-, Drei-, Vier- oder Fünf-Zimmer-Wohnungen an und vermieten sie an Bedürftige in Form von Wohngemeinschaften weiter. Noch hat unser Verein keine Förderung, deshalb sind wir auf Spenden angewiesen. Wir müssen zum Beispiel Mieten und Kautionen vorstrecken, bis das Jobcenter einspringt.

  • Münchner Bank eG
  • IBAN DE16 7019 0000 0003 1425 66
  • Munich Queer Homes e.V.

Fragen? https://munichkyivqueer.org/munich-queer-homes/

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