#FundReise Tag 0 – Sehnsucht

Sie macht sich auf in die Ukraine, weil sie es nicht mehr aushält, von München aus nur zuzuschauen. Sibylle, Mitgründerin von Munich Kyiv Queer, reist in unsere Partnerstadt Kyjiw, um Freundinnen, Partner und alte Weggefährtinnen zu besuchen. Sie berichtet täglich und sammelt Spenden für Munich Kyiv Queer sowie die „Brücke für Kiew“.

Strom: 24 Stunden
Temperatur: 19 Grad (Sparmodus)
Spendenbarometer: 0 von 18.000 Euro
Besondere Vorkommnisse: Krieg in meinem Leben
Alle Blogbeiträge: Sibylles #FundReise nach Kyjiw mitten im Krieg

Mein Name ist Sibylle von Tiedemann, ich bin Historikerin und Slawistin, 48 Jahre alt, und werde am Donnerstag am Münchner Hauptbahnhof in den ICE 802 steigen, um die erste Etappe meiner Reise nach Kyjiw anzutreten.

Ich fahre also dorthin, wo niemand sein will. In den Krieg. Ich fahre, weil ich dort sein will. Dort in Kyjiw. Bei meinen Freundinnen und Freunden, in dem Land, das ich liebe, in der Stadt, die mir so sehr ans Herz gewachsen ist.

Alla, ich, Mila und Vera, 2017 sehr glücklich in Kyjiw © Sibylle von Tiedemann

Der 24. Februar 2022 ist ein sonniger, kalter Donnerstag. Der erste Tag von Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine.

Am Freitag gehe ich ins Wochenende mit dem Gedanken, dass es in spätestens einer Woche keine Ukraine mehr geben wird. Ich checke rund um die Uhr Nachrichten. Ich checke den Facebook-Messenger nach Lebenszeichen. Ich checke Fluchtrouten und kapiere doch nichts mehr.

Schura mit der 3 Monate alten Marlen auf der Flucht, 9. März 2022 © Alexandra Fishel

Allen biete ich meine Wohnung an. Alla aus Kyjiw. Mila und Vera mit Sohn Vladik auch aus Kyjiw. Vladik ist behindert. Schura mit ihrem Mann und den drei Kindern. Das jüngste ein Baby. Lena aus Odessa. Ich glaube, Lena hat eine Katze. Svitlana und Nastja aus Cherson. Cherson ist besetzt.

Nachts wälze ich mich schlaflos in meinem Bett, weil ich nur zwei Zimmer habe, mich mit Autismus, Babys, Katzen und besetzten Städten nicht auskenne.

Verteidigungsminister Oleksij Resnikow und Präsident Wolodymyr Selenskyj © Oleksij Resnikow

Das Foto von Wolodymyr Selenskyj und Oleksij Reznikow, das nach 85 Stunden Krieg auf Twitter gepostet wird, berührt mich zutiefst. Sie schauen aus wie zwei Jungs, die einige Nächte durchgezockt haben. Und irgendwie stimmt das ja auch. Können solche Männer einen Krieg gegen die stärkste Armee der Welt gewinnen?

Im Laufe der Zeit wird klar, dass die russische Armee bei weitem nicht so stark ist, wie wir dachten, und dass die Ukraine so schnell nicht verlieren wird. Und doch steigt meine Angst, dass ICH die Ukraine verliere. Dass ich zu viel verpasse, Entwicklungen nicht mitbekomme, Menschen sich ändern, Orte sich ändern, ein Land sich ändert. Ein intensiver zeitgeschichtlicher Moment. Und ich bin nicht da.

Sie sind alle so tapfer

Ich ertrage es nicht mehr, dem Elend von der Ferne zuzusehen, hier ein Herzchen über Facebook zu senden, dort ein #StandwithUkraine zu posten, da Geld zu überweisen.

Die Angriffe auf die Infrastruktur sollen die Menschen in Kyjiw zermürben. Und sie töten. Langsamer, aber doch. Kyjiw ist eine kalte Stadt geworden. Kyjiw ist dunkel. Meine ukrainischen Freund*innen posten Fotos mit Kerzen und Katzen. Sie sind so tapfer. Haben sie eine Wahl?

Lenny Emson, Direktor vom KyivPride, Kyjiw am 23.11.2022 © Lenny Emson

Ich jedoch habe die Wahl. Ich habe mit Ukraine-Expert*innen über Sicherheitsrisiken gesprochen. Ich habe mich medizinisch durchchecken lassen. Ich habe Thermowäsche gekauft.

Ich steige am Donnerstag in den ICE 802 mit dem unbedingten Wunsch, 18.000 Euro zu sammeln. Für Kyjiw, für die Menschen, die mir so sehr ans Herz gewachsen sind.

Und ich werde davon berichten. Von meinen Planungen, von der Reise, von Kyjiw. Dieser Blog ist für euch. Er soll euch mitnehmen. Seid ihr dabei?

#FundReise #MunichKyivLove #18.000Euro

Sibylle sammelt Spenden für

EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine, mit denen wir in den vergangenen zehn Jahren eng zusammengearbeitet haben. Das ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr die Option „Geld an einen Freund senden“ wählt. Kennwort #FundReise. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken. Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Wir kennen sie persönlich und wir vermissen sie schmerzlich.

HILFE FÜR KRIEGSOPFER: KINDER, ALTE UND KRANKE MENSCHEN IN KYJIW UND UMGEBUNG Der Verein „Brücke nach Kiew“ unterstützt hilfsbedürftige Personen, insbesondere Kinder und kinderreiche Familien, finanziell schwache, gering verdienende und/oder auch Tschernobyl-geschädigte Personen in der Ukraine und hier insbesondere in Kyjiw – insbesondere über ein Pat*innen-Programm. Das Ziel ist Hilfe zur Selbsthilfe.

Empfänger: Brücke nach Kiew e.V.
Bank: Raiffeisenbank München Süd eG
IBAN: DE74 7016 9466 0000 0199 50
BIC: GENODEF1M03
Kennwort: #FundReise

Ab 200 Euro kann eine Spendenbescheinigung ausgestellt werden.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschland an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier

Mehr Informationen: www.MunichKyivQueer.org/helfen

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