„Wir waren gezwungen, unsere Heimat zu verlassen“

Dieser Krieg dauert nun schon fast sieben Monate. Sieben Monate russische Aggression, Tausende LGBTIQ*-Flüchtlinge. Die meisten versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen. Noch brauchen sie unsere Hilfe, aber nicht alle wollen nur von Almosen leben. Das ist die Geschichte von Kaya.

Eine trans* Frau aus Charkiw

Mein Name ist Kaya, ich bin eine trans* Frau aus Charkiw, 28 Jahre alt. Ich lebe mit meiner Mutter zusammen. Die hat sich ausgerechnet vor Kriegsbeginn das Bein gebrochen, aber jetzt geht es ihr schon besser.

Ich habe als Straßenbahnfahrerin in Charkiw gearbeitet und wurde dann nach Kyjiw versetzt. In meiner Freizeit mache ich Musik und singe. Als Aktivistin habe ich am KharkivPride teilgenommen. Ach, das waren tolle Zeiten.

Am Tag, als der Krieg begann, sollte meine Mutter ins Krankenhaus kommen, aber das Auto kam nie an. Wir waren gezwungen, Charkiw zu verlassen. Das Taxi wollte für die Fahrt zum Bahnhof 4.000 Griwnja von uns statt der üblichen 200. Das sind über 100 Euro!

Das Schlimmste war, dass meine Mutter nicht aufstehen konnte. Ich bin den Menschen so dankbar, die ihr am Ende geholfen haben. Dann kam der Zug, der uns evakuieren sollte. Vielen Dank auch an die ukrainische Eisenbahn für all die Überstunden, die Ihr macht! Wir haben nur eine einzige Tasche mitgenommen.

Wir hatten überhaupt nichts bei uns

Jetzt leben wir an einem relativ sicheren Ort in der Region um Kyjiw. Kaum waren wir angekommen, stellten wir fest, dass wir gar nichts bei uns hatten. Und wir brauchten Hilfe, denn wir hatten ja keine Arbeit und kein Geld, aber immerhin ein kleines Stück Land und ein Häuschen mit Brunnen. All das musste erstmal in Ordnung gebracht werden.

Lebensmittel. Collage von der NGO „Du bist nicht allein“.

Wir brauchten Schmerzmittel, Spritzen, Salben für meine Mutter. Auch Seife, Shampoo und Körperpflegeartikel für uns beide. Über ein queeres Hilfsforum im Netz erfuhr ich von der NGO „Du bist nicht allein“.

Jetzt haben wir unser eigenes Häuschen

Ich nahm Kontakt zu Oleksandra auf, die sich sehr verantwortungsvoll und sorgfältig um uns kümmerte. Die NGO „You are not alone“ (die von Munich Kyiv Queer über die Queere Nothilfe Ukraine unterstützt wird; Anm.d.Red.), leistet nicht nur einmal Hilfe! Das Team betreut einen die ganze Zeit, sorgt sich.

Lebensmittel. Collage von der NGO „Du bist nicht allein“.

In den vergangenen vier Monaten haben wir mehrere Überweisungen bekommen. Wir konnten damit unsere Grundbedürfnisse decken und haben bereits Haus und Garten in Stand gesetzt, wo wir nun leben.

Wir würden Euch gerne von dem abgeben, was wir hier angebaut haben. Als Zeichen der Dankbarkeit, vielleicht irgendwann einmal!

So könnt Ihr helfen:

Einzelfallhilfe

Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine, mit denen wir in den vergangenen zehn Jahren eng zusammengearbeitet haben. Das istdirekt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr die Option „Geld an einen Freund senden“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken. Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Wir kennen sie persönlich und wir vermissen sie schmerzlich.

Hilfe für LGBTIQ*-Organisationen

Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschland an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier

Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen

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