„Wir müssen die Militärhilfe für die Ukraine erhöhen!“


Sascha ist eine queere Aktivistin und Künstlerin aus Kyjiw, die dieses Jahr 20 Jahre alt wird. Als ihre Eltern nach der russischen Invasion beschlossen, aus dem Land zu fliehen, war sie noch ein Teenager. Bald wurde ihr klar, dass die Ukraine und ihre queere Bewegung Hilfe brauchen, um zu überleben. Dies ist ihre Geschichte, protokolliert von unserer Kolumnistin Iryna Hanenkova.

Ich lebe derzeit in Vancouver und studiere Kunst an der University of British Columbia (UBC), wobei ich mich für Schauspiel, Psychologie und internationale Beziehungen interessiere. Seit ich die Ukraine verlassen habe, habe ich mein Land bei Demonstrationen in Warschau, New York und Vancouver vertreten.

Bevor ich im Juli 2022 nach Kanada zog, um mein Studium zu beginnen, lebte ich sechs Monate lang mit meiner Familie in New York. Als Teenager wusste ich damals nicht, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Ich war ja auf all das, auf den Krieg und seine Folgen, nicht vorbereitet worden.

Wie kann man die Ukraine aus dem Ausland unterstützen?

Für alle, die damals in der Region Kyjiw lebten, war der 24. Februar 2022 der schrecklichste Tag ihres Lebens, da die russische Armee die Region ständig beschoss und schnell vorrückte. Um meine engsten Familienangehörigen wiederzusehen, die sich zu dieser Zeit im Ausland aufhielten, verließen wir die Heimat ohne konkreten Plan und zogen schließlich über Warschau nach New York.

Ich verbrachte ein halbes Jahr damit, mich in New York für die Ukraine einzusetzen, und versuchte herauszufinden, was ich mit meinem Leben anfangen und wie ich meine Fähigkeiten als im Ausland lebende Ukrainerin am besten einsetzen sollte. Ich engagierte mich ehrenamtlich bei „Razom For Ukraine“, nahm an jeder ukrainischen Demo teil und lief im Juni 2022 bei der New Yorker Pride-Parade mit, um die ukrainische LGBTIQ*-Community zu vertreten.

Die Teilnahme an Pride-Veranstaltungen war mir schon immer wichtig, seit ich angefangen habe, mich für die Rechte von Frauen einzusetzen und meine Sexualität zu erforschen. Die erste Pride-Parade, an der ich war, war der vom KyivPride organisierte „Equality March“ im September 2021, fünf Monate vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine.

Aktivismus war der wichtigste Antrieb in meinem Leben, seit ich mir der Menschen- und Tierrechtsproblematik in der Ukraine bewusst wurde. Der Krieg beschleunigt jetzt viele soziale Veränderungen und führte kürzlich zur Ratifizierung der Istanbul-Konvention, zum Entwurf eines Gesetzes über gleichgeschlechtliche Partnerschaften, zur Legalisierung von medizinischem Cannabis vielleicht usw.

Auf den Prides wollte ich mit westlichen Klischees brechen…

Um mehr Unterstützung für die ukrainische Sache zu gewinnen, nahm ich auch am Pride in Seattle im Juni 2023 teil und half bei der Betreuung der ukrainischen Delegation in Vancouver im August 2023. Ich glaube, dass Pride-Paraden im Ausland eine großartige Gelegenheit sind, die Welt daran zu erinnern, dass ukrainische Queers immer noch Unterstützung brauchen, um den russischen Imperialismus zu besiegen, und um das westliche Klischee zu durchbrechen, dass es in der Ukraine keine queere Bewegung gibt.

Seit ich im Juni 2022 nach Vancouver gezogen bin, um an der UBC zu studieren, hat mein Leben an Sicherheit gewonnen, und ich konnte mich stärker auf mein Engagement für die Ukraine konzentrieren. Als ich mich immatrikuliert habe, trat ich der Ukrainian Student Union alias USU bei. Gemeinsam mit dem Team organisieren wir Veranstaltungen und Spendenaktionen auf und außerhalb des Campus, um die ukrainische Kultur und Geschichte zu fördern.

Als Teil der USU organisiere ich auch den Beitrag der „LGBTIQ* Ukrainians“ für den diesjährigen Vancouver Pride. Unser Ziel als Studentenclub ist es, mehr Unterstützung für die Ukraine an der Universität und in der Stadt zu bekommen, weil ein Großteil der lokalen Bevölkerung leider pro-russischer und kommunistischer Propaganda ausgesetzt ist.

… und mich für Militärhilfe stark machen

In diesem Jahr möchte ich mich verstärkt für ukrainische Projekte einsetzen, die den bestehenden Support für die Ukraine aufrechterhalten und so viele neue Menschen wie möglich für unsere Mission gewinnen. Ich hoffe, dass diese Arbeit die Entscheidungsträger*innen dazu bewegen wird, ihre Militärhilfe für die Ukraine zu erhöhen, da das der einzige Weg ist, den ukrainischen Sieg zu beschleunigen.

So könnt Ihr helfen


EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine, die in Not oder auf der Flucht sind. Denn nicht alle sind an ukrainische LGBTIQ*-Organisationen (s.u.) angebunden. Die Hilfe ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr auf PayPal die Option „Für Freunde und Familie“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, Sprecher Munich Kyiv Queer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken.

Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Alle Gesuche aus der Community werden in Zusammenarbeit mit unseren queeren Partner-Organisationen in der Ukraine akribisch geprüft. Können sie selbst helfen, übernehmen sie. Übersteigen die Anfragen die (finanziellen und/oder materiellen) Möglichkeiten der LGBTIQ*-Organisationen, sind wir gefragt.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschland an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier

Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen

Das ist die Geschichte von Manila Boss, einer Drag Queen aus der Ukraine. Die 28-Jährige erzählt, wie sie den Ausbruch des Krieges erlebt hat. Manila teilt ihre bewegende Reise, die Momente der Angst, des Überlebenswillens und der Solidarität, die ihr halfen, inmitten des Chaos die Hoffnung nicht zu verlieren. Unsere Kolumnistin Iryna Hanenkova hat Manila getroffen und ihre Story notiert.

Wie ich den Krieg kennenlernte? Unter der Bettdecke. Etwa eine Woche vor Ausbruch hatte ich so meine Vorahnungen, aber im 21. Jahrhundert schien ein großer Krieg weit entfernt. Ich saß zuhause und dachte, dass solche Dinge heute nicht mehr passieren. Doch das Schicksal hatte andere Pläne für uns.

Mein Freund ist Soldat, und am 23. Februar abends verkündete er mir, ich solle nachts vorsichtig sein, sonst könnte mir etwas passieren. Als dann am 24. Februar um sechs Uhr morgens meine Mutter anrief, war mir schnell klar, was er gemeint hatte: Sie sagte: „Sohn, der Krieg hat begonnen. Steh auf, pack ein paar Dokumente und sei bereit.“ Meine Mutter wusste nicht, was sie mir raten sollte, denn wir leben in verschiedenen Städten.

Ich legte den Hörer auf und während ich noch auf dem Bett saß, hörte ich die ersten heftigen Explosionen. Das Chaos begann. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, wohin ich gehen oder wo ich mich verstecken sollte. Die Angst überwältigte mich und ich fühlte mich hilflos.

Die Flucht vor den Raketen

In diesem Moment erreichte mich der Anruf eines Freundes. Er sagte mir, ich solle zu ihm in die WG kommen, wir müssten zusammenbleiben. Ohne zu zögern, schnappte ich meine Dokumente und einige Kleidungsstücke, rief ein Taxi und machte mich auf den Weg. Die Explosionen in der Ferne begleiteten mich; ich wusste nicht, ob ich sicher ankommen würde.

Überraschenderweise kam das Taxi schnell, ich fuhr unter den Explosionen zu meinen Freund*innen und wusste nicht, ob ich dort ankommen würde…

Während der ersten drei Wochen lebte ich in dieser Wohngemeinschaft. Bei jedem Luftangriff rannten wir, suchten Deckung, oft im Gelände eines Nachtclubs, in dem ich früher aufgetreten war. Der Club lag unterirdisch und schien relativ sicher.

Dann, als die Situation im Land klarer wurde, kehrte ich alleine nach Hause zurück. Ich fand mich in einem neuen Leben wieder. Der Club, in dem ich aufgetreten war, hatte seine Türen geschlossen – klar.

Hoffnung inmitten des Chaos

Gott sei Dank hatte und habe ich noch einen anderen Job, der mich über Wasser gehalten hat. Ich arbeite für die Jugendorganisation Partner. Unsere Zielgruppe sind LGBTIQ*.

Vor dem Krieg führten wir Tests auf STI durch und verteilten Verhütungsmittel. Nach Kriegsbeginn begannen wir, Binnenvertriebenen zu helfen, die aus den nahe gelegenen Städten Cherson und Mykolajiw geflohen waren.

Wir versorgten sie mit Lebensmitteln und humanitären Hilfsgütern, und für trans* Personen begannen wir, kostenlose Hormonersatztherapien anzubieten. Das machen wir bis heute…

Die Ukraine wird triumphieren

Anderthalb Jahre lang trat ich nicht auf einer Bühne vor Publikum auf. Ich wusste nicht, ob ich je wieder auftreten würde. Ich wusste nicht, ob irgendjemand das jetzt brauchte. Aber – Wunder! – vor Kurzem rief mich der Direktor des Clubs an, in dem ich früher auf der Bühne stand, und sagte: Manila, wir arbeiten wieder!

Von den ersten Tagen des Krieges an war ich auf dem Territorium meines Landes!!! Und ich wollte und will nicht weg von dort! Ich bin zu Hause!!! In der Ukraine!

Während ich diese Zeilen schreibe, geht der Krieg unvermindert weiter. Doch ich glaube fest daran, dass die Ukraine siegen wird. Ich bin stolz auf unsere ukrainischen Streitkräfte und auf unser Volk. Alles wird gut werden, denn am Ende wird die Ukraine triumphieren.

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Dmitry ist eine Drag Queen. In seinem Blog beschreibt der junge Ukrainer, wie er den Kriegsausbruch erlebt hat und wo ihn der Angriff Russlands schließlich hingeführt hat. Er musste seine Heimatstadt verlassen, seine Familie ist geflohen, ständig hat er neue Jobs finden müssen. Einziger Lichtblick: Die Liebe! Vor Kurzem hat Dmitry jemanden kennengelernt. Unsere Kolumnistin Iryna Hanenkova hat seine Geschichte für uns aufgeschrieben.

Es ist der 24. Februar 2022. Zwischen 7:30 und 7:35 Uhr morgens, so ungefähr. Das Telefon klingelt – meine Großmutter aus Saporischschja ruft an. Ich lebe zu der Zeit in Charkiw.

  • Hallo, Dima, was ist los bei Euch?
  • Was soll denn los sein?, frage ich.
  • Ist es laut? Bombardieren sie?
  • Wovon redest du? Ich muss gleich los, zur Arbeit. Was bombardieren sie?
  • Der Krieg hat begonnen.
  • Ich rufe zurück.

Der Krieg hat begonnen. Diese Worte sind wie ein Schock. Ich rufe die Nachrichten auf und lese, was los ist. Der Krieg hat in der Tat begonnen. Ich springe aus dem Bett, zieh mich an, wecke meinen Mitbewohner und sage ihm, er solle seine Sachen packen. Vorsorglich.

Ich würde die nächste Woche in Charkiw verbringen, zum allerletzten Mal.

Wir packen alles Notwendige ein, Dokumente, Lebensmittel. Wie vorausschauend war es gewesen, dass wir ein paar Tage zuvor genug für zu Hause eingekauft hatten. Am späten Nachmittag kommt ein Freund zu Besuch, der allein lebt. Ich wollte ihn mit all dem nicht allein lassen. Eine Woche lang schlafen wir im selben Bett – bei offenem Fenster, damit wir mitkriegen, was draußen vor sich geht. Wir haben keinen Hunger, essen nichts. Wir vergessen sogar zu duschen. Wir haben Angst davor.

Am 28. Februar gehen wir das erste Mal raus, weil uns die Zigaretten ausgegangen sind und wir vor lauter Nervosität wieder das Rauchen angefangen haben. Es ist der vierte Kriegstag. Wir sehen uns im Viertel um. Überall stehen sie Schlange. Nirgendwo Zigaretten oder die Läden sind zu. Am Ende der Straße finden wir schließlich einen Shop, der auf hat.

Die Russen beschießen wahllos das Zentrum

Es ist kalt draußen, der Himmel bedeckt, wir können nichts sehen. Wir stehen zwei, zweieinhalb Stunden an. Als nur noch zwei Leute vor uns sind, hören wir herannahende Flugzeuge und Explosionen. Nie im Leben hatte ich mehr Angst. Die Flugzeuge bombardieren das Stadtzentrum. Alle rennen, wohin sie können, weil man die Flugzeuge hinter den Wolken nicht sehen kann. Es ist sehr beängstigend. Diese Gefühl werde ich wohl nie vergessen.

Charkiw im Dezember 2022. Foto: Sibylle von Tiedemann

Ich hasse die Mistkerle, die in diesen Flugzeugen sitzen. Den Abschaum, der die Rakete gebaut hat, die gerade auf mich zufliegt. Sie ist nur 10 bis 20 Meter entfernt. Ich kann sie sehen. An diesem Tag schlägt sie in der Nähe in einer Gruppe von Menschen ein, die an einer Tierhandlung anstehen. Einer Frau werden die Beine zerfetzt; sie stirbt später im Krankenhaus an den Folgen ihrer Verletzung.

Wir geben die Suche nach Zigaretten auf und gehen nach Hause. Die Straße ist mit Raketen übersät – Blindgänger.

Ich schlafe erschöpft auf dem kalten Boden ein

Am Abend wieder. Sie bombardieren das Zentrum von Charkiw mit Flugzeugen. Die City, wo ganz normale Menschen leben. An diesem Abend schlafe ich auf dem Korridor auf dem kalten Boden ein, weil ich so erschöpft bin.

In all den Tagen darauf komme ich kaum zur Ruhe. Der Beschus dauert in der Regel bis nachts um zehn, elf, und dann geht es gegen sechs, sieben Uhr morgens wieder los. Die beiden Jungs schlafen schneller ein als ich, weil ich immer auf die Geräusche achte.

Mir wird bald klar, dass ich den Verstand verliere, wenn ich hier bleibe. Am 2. März beschließe ich, die Stadt, in der ich zwei Jahre lang gelebt habe, zu verlassen. Für lange Zeit.

In Friedenszeiten brauche ich zehn Minuten und zwischen 60 bis 70 Hrywnja, um zum Bahnhof zu kommen. Jetzt kostet ein Taxi zwischen 3000 und 5000 Hrywnja. So viel Geld habe ich nicht. Ein Junge und sein Vater erklären sich bereit, mich für 1000 Hrywnja mitzunehmen. Sie holen mich in der Nähe meines Hauses ab. Ich trage einen Koffer mit mir, aus dem ich noch sechs Monate lang leben sollte. Wir fahren durch eine leere, zerstörte Stadt, über der russische Flugzeuge kreisen.

Der Bahnhof ist voller Menschen

Ich bin diesen Menschen überaus dankbar, dass sie mich rausholen. Meine Freund*innen aus Dnipro haben mich überredet, zu ihnen in die Stadt zu kommen. Und so warte auf den Evakuierungs-Zug nach Dnipro – einen ganzen Tag.

Der Bahnhof ist überfüllt mit Menschen. Es gibt zwei Züge mit Frauen und Kindern darin. Das Bahnhofspersonal und Freiwillige verteilen Milch, Wasser, Kekse. Ich habe nicht mal Wasser dabei, was ich noch bereuen werde. Mein Gehirn versucht zu verstehen, was um mich herum geschieht. Es ist absurd, es ist Irrsinn; es kann nicht sein. Aber es ist die Realität.

Endlich: Meine Eltern!

Der Zug nach Dnipro besteht aus drei Waggons. Nur drei Waggons für die Menschenmasse hier. Man könnte auch sagen: „Wie ein Hering im Glas“. Wir werden in den Zug gepfercht. In der Nähe hören wir Explosionen. Wir haben alle Angst, dass dieser Wagen zu unsem Sarg werden könnte. Als der Zug abfährt, atme ich auf. Der Albtraum hier ist vorbei. Aber die Ungewissheit, der Blick aus dem Fenster machen es nicht einfacher. Ich habe wahnsinnigen Durst und es gibt kein Wasser. Die nächsten sechs Stunden fahre ich halb bewusstlos nach Dnipro.

In Dnipro bleibe ich zwei Wochen bei meinen Freund*innen. Dann kann ich endlich nach Saporischschja zu meinen Eltern. Ich bleibe bis Anfang April.

Flucht nach Kyjiw

Zu Hause rumsitzen und nichts zu tun. Das ist das Schlimmste! Am 6. April verlasse ich Saporischschja wieder und fahre in die Hauptstadt.

Ich lebe jetzt seit eineinhalb Jahren in Kyjiw. Ich habe bereits fünf Mal den Job gewechselt, und derzeit mache ich eine Ausbildung zum Beauty-Berater. Ich arbeite gelegentlich als Drag Queen; da liegt das nahe.

Im Januar habe ich eine große Harry-Potter-Aufführung mit veranstaltet, denn ich habe schon immer viel mit Kindern gearbeitet. Ich verstehe besser als jeder andere, dass sie jetzt ein Märchen brauchen – wir alle eigentlich.

In Saporischschja hatte ich mein eigenes Club-Projekt, sechs Jahre lang. Seit Kriegsbeginn konnten wir nur zwei Partys dort veranstalten. Saporischschja ist Frontstadt. Es war so schön, endlich einmal wieder Gäste zu haben.

Alles ist anders

Der Krieg hat vieles verändert. Er hat mir die Familie genommen, die ich früher so oft gesehen habe. Meine Mutter und meine Schwester leben jetzt in England, mein Vater ist in Saporischschja geblieben, zusammen mit meiner Großmutter. Mir ist erst jetzt klar, wie wichtig meine Familie in meinem Leben immer war.

Der Krieg hat mir auch meine Lieblingsstadt genommen. Ich habe ein Jahr gebraucht, um mich vom Umzug aus Charkiw zu erholen. Ich vermisse mein blühendes, schönes und liebes Charkiw.

Immerhin habe ich endlich einen lieben Menschen kennengelernt. Ich war sechs Jahre lang allein, und irgendwie ist es passiert, dass es jetzt, vier Monate später, nicht mehr so ist. Das ist wahrscheinlich das Einzige, worüber ich glücklich bin.

Das Leben geht weiter

Ich mache Pläne und hoffe, dass bald alles vorbei ist und wir alle wieder zusammen sein können. Ich träume davon, eine weitere coole (Drag-)Produktion zu machen. Aber ich fühle mich nicht in der Lage, das Konzept dafür zu schreiben. Vielleicht werde ich es eines Tages tun, aber sicher bin ich mir nicht.

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Krieg und kein Ende. Munich Kyiv Queer sammelt deshalb weiter Geschichten von LGBTIQ* in der Ukraine. Wir fragen uns: Wie lebt Ihr mit diesem Krieg? Wie lebt Ihr in diesem Krieg? Wir wollen das Bewusstsein für das Schicksal queerer Menschen schärfen und um Spenden werben. Dies ist die Geschichte von Oleksandra.

Zwei Monate hat Oleksandra noch in Mariupol ausgeharrt, als die Stadt am Asowschen Meer von der russischen Armee bereits besetzt war. Dann hat sie es wie durch ein Wunder geschafft, aus Mariupol rauszukommen. Ihr Haus dort wurde vollständig zerstört. Nur wenigen ist die Flucht gelungen.

Mit ihrer Freundin ist Oleksandra Richtung Westen aufgebrochen. Heute leben sie in Ivano-Frankivsk. Das ist gut, auch einen Job hat sie gefunden. Allerdings deckt das Gehalt, das sie dort bekommt, gerade einmal die Miete ab. Und irgendwie seien sie beide nicht unterprivilegiert genug, um Mittel für Lebensmittel, Medikamente, Hygieneartikel und Kleidung zu bekommen. Da sei „You are not alone“ für die beiden tatsächlich die einzige Hilfe gewesen, für die sie sehr dankbar sind. Oleksandra und ihre Freundin hoffen, dass die LGBTIQ*-Community in der Ukraine weiterhin von uns unterstützt wird. VIDEO

„You are not alone“ wird vom Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mit finanziert, dem auch Munich Kyiv Queer angehört. Es sind Eure Spenden, die hier etwas bewirken.

Danke an alle Mitwirkenden!

Vielen Dank auch an Oleksandra Semenova, die uns bei diesem Videoprojekt geholfen hat. Danke an Matt und Stas für die Untertitel. Und Danke an Nikita für die ukrainische Übersetzung.

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Pawel wurde eingezogen, noch bevor Russland seinen vollumfänglichen Krieg lostrat. Als der erste Schuss fiel, war Pawel dann bereits im Schützengraben. Seitdem kämpft er. Für ihn als schwulen Mann ist das doppelt schwer: Da ist die Angst vor dem Feind, die Panik vor dem Outing und die ständige Sorge um seinen Freund, der ebenfalls dient. Wie Pawels Kamerad:innen mit seiner sexuellen Orientierung umgehen, hat unsere Kolumnistin Iryna Hanenkova für uns protokolliert. Soviel sei vorweggenommen: Leicht hat es Pawel nicht.

Mein Name ist Pasha, ich bin 22 Jahre alt. Ich bin beim Militär, als Flugabwehrkanonier, und ich bin schwul.

Mein Dienst begann mit der Einberufung zum Wehrdienst. Als Russland seinen Krieg gegen die Ukraine entfesselte, wurden wir automatisch eingezogen. In der Armee wusste erst niemand etwas über mich, bis mich die Kamerad*innen beim Chatten erwischt haben. Der Chat war ziemlich eindeutig ;).

Nach und nach wussten alle Bescheid. Die Leute lästerten, manchmal bezog ich Prügel.

Niemand hatte an einen Krieg geglaubt

Als der Krieg losging, war das für mich schwierig. Ich war noch nie im Krieg und ich war auch nicht dafür ausgebildet.

Wir hatten nicht so recht daran geglaubt, dass es tatsächlich Krieg geben könnte. Man sagte uns, wir sollten gehen, also gingen wir, gruben Gräben und warteten einfach ab. Als dann der Beschuss kam, bekam ich wirklich Angst. Unsere Kommandanten haben es mit Witzen versucht, damit wir nicht in Panik gerieten.

Was meine Orientierung anging, war das vielen Leuten egal. Wir hatten eine Aufgabe, und die erfüllten wir. Wenn es ruhiger war, brachten die Jungs manchmal das Thema auf. Blödes Zeug, Witze, ohne etwas davon zu verstehen.

Manchmal hat es mich verletzt, manchmal haben wir gestritten. Aber im Allgemeinen bereitetet mir meine sexuelle Orientierung keine großen Schwierigkeiten. Die meisten Jungs akzeptieren die Tatsache, dass ich schwul bin.

Auch Freund Vlad kämpft an der Front

Was meinen Freund angeht: Eine Fernbeziehung zu führen, ist wirklich sehr schwierig, vor allem im Krieg. Als Vladyslav und ich zusammenkamen, war er noch ein Zivilist. Wir haben uns dann entschieden, dass auch er zum Militär gehen sollte. Er dient in der Region Volyn.

Anfangs war alles so romantisch. Als ich in Mykolajiw war, habe ich Vladyslav kennengelernt. Wir schrieben uns eine Woche lang SMS und riefen einander an. Danach kam er zu mir, und wir beschlossen, zu daten. Das ist lange her.

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Die russische Invasion vor eineinhalb Jahren hat für Taras alles verändert. Nachdem er seinen Job verloren hatte, zog er aus Lwiw nach Kyjiw, um Arbeit zu finden, ein neues Leben zu beginnen. Doch hat ihn dort seine neue Liebe betrogen, im Job haben ihn Kolleg*innen gegängelt, er wurde verprügelt, krank; sein Cousin kam im Krieg um. Und doch hat Taras nicht aufgegeben. Unsere Kolumnistin Iryna Hanenkova hat seine Geschichte aufgeschrieben.

Hallo, mein Name ist Taras. Ich bin 20 Jahre alt, komme aus Kyjiw, aber ursprünglich aus Lemberg. Ich bin schwul.

Während der Invasion habe ich mit einem Freund in Lemberg zusammengelebt. Am 24. Februar 2022 kam er in mein Zimmer und erzählte mir, dass der Krieg ausgebrochen sei. Natürlich habe ich ihm nicht geglaubt, aber als ich zur Arbeit ging, schrieben meine Chefs, dass wir zuhause bleiben sollten. Es war der Tag, an dem wir unsere Gehälter bekommen hätten, und alle Mitarbeiter*innen standen ohne Geld da. Sie haben es uns freilich später gegeben.

Ich habe erlebt, wie in der Nähe eine Rakete einschlug; die ganze Stadt war in Rauch gehüllt, das war schrecklich. Die Organisation, für die ich arbeitete, stellte ihren Betrieb ein. Niemand wusste, wann sie wieder öffnen würde, und so stand ich ohne Arbeit da.

Schmerzhaftes Coming-out

Das war hart, denn ich war ohnehin ganz auf mich allein gestellt. Mit meiner Familie hatte ich seit meinem Coming-out keinen Kontakt mehr. Sie haben es anfangs gut aufgenommen, aber bald schon fingen die Streitigkeiten an. Sie sagten, dass ich krank sei, ich behandelt werden müsse und dass ich Priester bräuchte, die für mich beteten. Die Auseinandersetzung mit Menschen, die mir so nahe standen, war sehr schmerzhaft für mich.

Als es erneut einen schweren Raketenangriff auf unsere Stadt gab, nahmen mich meine Freund:innen mit zu sich nach Hause und ich zog zu ihnen. Wir halfen ehrenamtlich, brachten Sachen in die Notunterkunft für Menschen, die Kyjiw verlassen hatten, und nahmen Flüchtlinge für die Nacht auf, die später ins Ausland gingen. Ich habe auch in einem Theater mitgearbeitet, wo man Sachen und Lebensmittel aus anderen Ländern anlieferte. Wir haben sie sortiert und weitergegeben.

Eines Tages erhielt ich von einem Freund die Nachricht, dass in Kyjiw ein Husky ausgesetzt worden sei, und ich beschloss, ihn zu mir zu nehmen. Ich erinnere mich an den Moment, als es schneite, ich einen Lastwagen belud und die Hündin, die ich Bella nannte, neben mir herlief. Als mal wieder der Alarm losging, rannten wir in den Keller. Viele Menschen waren dort und Bella machte alle glücklich. Ich liebe sie sehr, ich fühlte mich ruhiger mit ihr. Ich hatte jemanden, um den ich mich kümmern konnte.

Abschied von Hündin Bella

Ich fand eine Stelle als Koch. Ich arbeitete viel und lange, der Hund litt sehr unter meiner Abwesenheit. So musste ich Bella zu einem Freund geben, der ein eigenes Haus hatte. Es war eine sehr schwierige Entscheidung, aber es ging nicht anders.

Dann wurde mein früherer Job frei und ich begann, zwei Jobs zu kombinieren und sieben Tage die Woche zu arbeiten. Alles wurde teurer, Lebensmittel, Miete. Deshalb begann ich eben, wieder als Sozialarbeiter für Alliance Global zu arbeiten und Tests auf HIV, Syphilis usw. durchzuführen.

Das war alles wirklich sehr schwierig. In der Küche, wo ich arbeitete, erfuhren die Leute von meiner sexuellen Orientierung, und ich wurde schwer schikaniert. Ich habe das einen Monat lang ertragen und dann gekündigt.

Bei meiner neuen Arbeitsstelle gab es kein solches Gekeife. Ich wurde unterstützt, wir hatten alle eine gute Arbeitsbeziehung. Aber es gab Missverständnisse mit dem Chef. Ich kündigte wieder und wechselte auf eine Stelle als Verwaltungsfachangestellter.

Schließlich lernte ich über eine App einen Mann kennen, der mir sehr gefiel. Eines Tages packte ich meine Sachen und fuhr nach Kyjiw, um ihn zu treffen. Und mir wurde klar, dass ich in die Hauptstadt ziehen wollte, um in seiner Nähe zu sein.

Eine neue Liebe, ein neues Leben

Ich hatte all meine Angelegenheiten in Lemberg geregelt und war dabei, wegzuziehen – ohne aber Geld zu haben: Ich hatte Schulden, keine Freunde außer IHM. Ich sah auf Facebook eine Anzeige für eine Wohnung und mietete mich irgendwo in Kyjiw ein. Ich wusste überhaupt nichts über meinen neuen Mitbewohner, er war ein völlig Fremder…

Ich war einen Monat lang arbeitslos, und die Begegnung mit dem Mann, der mich dazu gebracht hatte, Lwiw zu verlassen, war inspirierend. Ich fühlte mich sehr glücklich, glücklich und arbeitslos. Später fand ich allerding heraus, dass mein Mitbewohner keine Miete zahlte und ich für alles aufkommen sollte. Das war sehr unangenehm, und so beschloss ich, wieder auszuziehen.

Ich wurde krank. Schmerzen quälten meinen Körper: Es fiel mir schwer, zu sprechen. Es war mir unmöglich, allein aufzustehen. Zwei Wochen lang Schmerzen zu ertragen, war der Preis dafür, dass ich nicht rechtzeitig zum Arzt gegangen war. Es stellte sich heraus, dass ich eine akute Blinddarmentzündung hatte, die operiert werden musste.

Ich hatte unglaubliche Angst. Meine Freund*innen schickten mir Geld, die Kommunikation mit meiner Mutter schien sich zu verbessern. Vor allem aber kam der Mann, in den ich verliebt war, und unterstützte mich. Die Operation war erfolgreich! Wir kamen uns näher, ich fühlte mich umsorgt und unterstützt.

Ich fand wieder Arbeit. Allerdings erfuhren sie auch dort von meiner sexuellen Orientierung und das Mobbing begann erneut. Es kam zu einer Schlägerei vor den Augen von Kunden und Kolleginnen. Ich wurde provoziert und gedemütigt, und ein Mann fing an, mich zu schlagen, weil er sich vor mir ekelte. Ich habe es ertragen, weil ich Geld brauchte. Es war Winter, ich war allein, mein Gehalt war niedrig.

Die Trennung vom Freund

Und dann: Blockte mich mein Freund in den sozialen Medien. Die Person, in die ich mich verliebt, deretwegen ich meine Heimatstadt, meine Arbeit und meine Freund:innen verlassen, mit der ich abends Weintrauben gegessen und bis zum Morgen geplaudert hatte! Irgendetwas in mir zerbrach und eine Depression begann, die drei Monate andauerte. Später fand ich heraus, dass ER ein Escort war und dass sich viele Menschen bei IHM mit Syphilis angesteckt und dass er mich überhaupt in vielerlei Hinsicht betrogen hatte.

Ich kündigte. Die Depression, der Verlust meines Arbeitsplatzes, die Suche nach einem neuen, der Mangel an finanziellen Mitteln, alles, was ich zu dieser Zeit erlebte und fühlte, wurde durch einen Anruf meiner Mutter beendet. Sie erzählte mir, dass Andriy, mein Cousin, der bei der Territorialverteidung war und damals in der Nähe von Bakhmut Dienst tat, getötet worden war. Seine Frau und seine beiden kleinen Kinder blieben allein zurück.

Der Tod des Cousins

Ich packte meine Sachen und fuhr sofort nach Lwiw. Die Trauer der Angehörigen, die Sehnsucht nach dem Verstorbenen, der Schmerz brachen mir das Herz. Der Leichnam wurde eine Woche später gebracht. Es ist unmöglich, all das wiederzugeben, was ich damals fühlte, aber ich hatte keine Zeit für Depressionen. Die Beerdigung war hart.

Als ich von der Beerdigung nach Kyjiw zurückkehrte, machte das Unternehmen, für das ich arbeitete, dicht, weil es keinen Gewinn mehr machte. Ich hatte nur noch Tausend Griwna in der Tasche, und in ein paar Tagen sollte ich die Miete bezahlen. Und die Vermieterin hatte schon angekündigt, dass sie die Miete von 5000 auf 9000 Griwna erhöhen würde. Ich dachte daran, nach Lwiw zurückzukehren…

Der Neuanfang

Glücklicherweise kam ich an Geld, mietete ein Zimmer und bekam einen Job. Dort bin ich jetzt. Die Dinge beginnen, sich zu verbessern. Ich bin jetzt Manager in einem Café. Dass ich schwul bin, ist kein Problem. Meine Kolleg*innen unterstützen mich.

Ich liebe meinen Job wirklich. Wir haben eine Wohltätigkeitsveranstaltung mit der Drag Queen Diva Milk organisiert. Wir verwandelten das Café an diesem Abend in einen kleinen Club, unterhielten die Leute und sammelten Spenden für die Streitkräfte.

Ich habe ein tolles Unternehmen, das LGBTIQ*-Menschen gut behandelt und mich in allem unterstützt. Ich möchte mich in meiner Arbeit weiterentwickeln, interessante Veranstaltungen organisieren und weiterhin für die Streitkräfte spenden. Wir glauben an unseren Sieg.

So könnt Ihr helfen


EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine, die in Not oder auf der Flucht sind. Denn nicht alle sind an ukrainische LGBTIQ*-Organisationen (s.u.) angebunden. Die Hilfe ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr auf PayPal die Option „Für Freunde und Familie“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, Sprecher Munich Kyiv Queer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken.

Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Alle Gesuche aus der Community werden in Zusammenarbeit mit unseren queeren Partner-Organisationen in der Ukraine akribisch geprüft. Können sie selbst helfen, übernehmen sie. Übersteigen die Anfragen die (finanziellen und/oder materiellen) Möglichkeiten der LGBTIQ*-Organisationen, sind wir gefragt.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschand an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort wie der Alliance Global, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier

Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen

In ihrer Laudatio hat Oleksandra Bienert von der Allianz Ukrainischer Organisationen aus Anlass der Verleihung des Hans-Peter-Hauschild-Preises der Deutschen Aids-Hilfe in Berlin an Munich Kyiv Queer die Arbeit unserer Organisation in den vergangenen Jahre gewürdigt. Hier dürfen wir den ganzen Text veröffentlichen. Wir fühlen uns geehrt und sagen Danke!

Einander sehen, wirklich sehen und wahrnehmen. Über Grenzen hinweg. Einander verstehen. Begreifen, was passiert. Erfahrungen sichtbar machen, vor allem von Menschen, die sonst unsichtbar geblieben wären.

Immer auf Augenhöhe agieren. Ein partnerschaftliches Verhältnis zu Menschen vor Ort haben. Ein nachhaltiges Engagement aufbauen, das bereits über ein Jahrzehnt hinausgeht. Dies alles betrifft die Kontaktgruppe Munich Kyiv Queer.

Verleihung durch den Vorstand Ulf Kristal (l.) und Sven Warminsky (r.) mit Laudatorin Oleksandra Bienert, Stanislav Mishchenko, Conrad Breyer und Stephanie Hügler, alle Munich Kyiv Queer. Foto: Brigitte Dummer

Liest man ihre Selbstbeschreibung auf der Web-Seite, so versteht sich die Kontaktgruppe Munich Kyiv Queer als Schnittstelle zwischen der Münchner und der queeren Szene in Kyjiw und in anderen ukrainischen Städten. Sie initiieren, vermitteln, konzipieren, koordinieren und setzen Projekte allein oder gemeinsam mit den Gruppen und Vereinen der jeweiligen Communitys um. Sie stehen mit Rat und Tat zur Seite.

Dies alles trifft zu, jedoch ist es ziemlich bescheiden von der Wirkung her. Denn diese Menschen haben Geschichte geschrieben. Und sie schreiben weiterhin Geschichte.

Die Basis: Eine Städtepartnerschaft zwischen München und Kyjiw

Entstanden ist die Gruppe zunächst im Rahmen der Städtepartnerschaft München und Kyjiw. Es kam die Idee auf, eine Delegation aus Kyjiw zum Münchner CSD 2012 einzuladen. Nach Teilnahme der Kyjiwer Delegation gab es viel Austausch und so begann die langjährige Zusammenarbeit und die Kontaktgruppe Munich Kyiv Queer.

Die ersten waren unter anderen Conrad, Sibylle, Uwe (München) und Stas (in Kyjiw). Die Kontaktgruppe ist gewachsen, blieb im Flow, war immer offen.

Und wenn sie am Anfang eine Art Brücke sein wollten (was sie immer noch sind), gibt es mittlerweile nichts, was sie nicht gemacht hätten: Übersetzungen von Büchern, Ausstellungen, Sichtbarmachung von LGBTIQ*, allen voran trans* Menschen, gemeinsame Projekte, Workshops für ehrenamtliche Volunteers, die aus der Ukraine kamen, um für eine Woche die queere Szene in München kennenzulernen, und vieles vieles mehr.

Jubiläumsveranstaltung 40 Jahre Deutsche Aidshilfe. Foto: Brigitte Dummer

Immer wurde auf Augenhöhe mitgedacht und agiert: Munich Kyiv Queer wollte vor allem tatsächlich eine Brücke sein, in der die Communitys, die in Selbsthilfe involviert waren, sichtbar werden.

Nun ist die Brücke gewachsen und wirkt viel mehr als eine Brücke. Diese Brücke ist ein Teil des Geschehens und eines der wichtigsten und erfolgreichsten internationalen kommunalen Projekte in Deutschland. Sie wirkt in beide Gesellschaft hinein – in die deutsche und ukrainische. Die Projekte reichen und strahlen mittlerweile in die Gesamt-Ukraine aus.

Ausstrahleffekte in die gesamte Ukraine

Was einfach klingt, verbirgt Tonnen von Arbeit, die jetzt schon eine ganze Generation geprägt hat – sowohl in der Ukraine, als auch in Deutschland. Zu den Partnern zählen mittlerweile Organisationen in der ganzen Ukraine – ob in Winnytsija, in Saporischschja, Odesa, Charkiw, Kyjiw, Lwiw. Auch werden verschiedene Organisationen unterstützt, die HIV-Prävention betreiben.

Eine sehr wichtige Kooperation fand mit der Gay Alliance Ukraine statt, vor allem in den ukrainischen Regionen. 2016, als die Finanzierungsprogramme für die HIV-Prävention in der Ukraine gestoppt wurden, hat Munich Kyiv Queer die Queer Homes mit Spenden finanziert. Was bedeutet es, ein Queer Home in einer ukrainischen Region zu haben? Es bedeutet Safe Space. Es bedeutet Selbstbestimmung, Entscheidungsfreiheit. Es bedeutet, ein Mensch sein zu können, ohne sich verstecken oder verstellen zu müssen.

Hans-Peter-Hauschild-Preisträger*innen Conrad Breyer, Stephanie Hügler, Stanislav Mishchenko (v.l.) von Munich Kyiv Queer. Foto: Brigitte Dummer

Ein weiteres schönes Beispiel war die Einladung queerer Chöre aus der Ukraine zur Teilnahme am queeren Chorfestival Various Voices in München 2018. In Odesa wurde dann nach dem Beispiel und mit gewonnenen Kontakten ein ähnliches Festival organisiert: das Q-Fest: Nun luden Menschen aus der Ukraine Münchner queere Chöre nach Odesa ein. Ich könnte noch stundenlang solche Projekte aufzählen.

Launch Pride – der Beginn von Sichtbarkeit

Einer der wichtigsten Meilensteine war die Teilnahme seit 2012 am jährlich stattfindenden KyivPride mit einer Münchener Delegation, die in manchen Jahren über 20 Personen zählte. Ich bewundere den Mut dieser Menschen, die mit ihrer Präsenz nicht nur Unterstützung geleistet, sondern nachhaltig die Entwicklungen in der Ukraine beeinflusst.

Die ersten KyivPrides bedeuteten konkrete Lebensgefahr oder Gefahr für die Gesundheit für alle Teilnehmenden. Der Zusammenhalt der ukrainischen Queer-Szene und die internationale Präsenz hat die Situation aber im Laufe der Jahre verändert. Es wurde Druck auf die Politik ausgeübt. Munich Kyiv Queer war in ihrer Unterstützung eine der ersten Organisationen, die nachhaltig etwas bewirkt haben. Nach ein paar Jahren hat diese Unterstützung dem KyivPride geholfen, wortwörtlich aus den Höfen auf die Hauptstraßen zu kommen. Sowohl in psychischem Sinne, als auch metaphorisch gemeint.

Der KyivPride konnte nun stattfinden.

Jubiläumsveranstaltung „40 Jahre Deutsche Aidshilfe“ mit Barbie Breakout (r.) und Holger Wicht. Foto: Brigitte Dummer

Nach der russischen Invasion am 24. Februar 2022 fand eine Neuerfindung von Munich Kyiv Queer als Hilfsorganisation statt.

Man leistet Einzelfallhilfe, Hilfe für LGBTIQ*-Organisationen in der Ukraine – für queere Kriegsopfer in Not, oder auf der Flucht. Munich Kyiv Queer war Mitbegründer des Bündnisses „Queere Nothilfe Ukraine“ mit über 40 Organisationen in Deutschland, das eine Million Euro für die Hilfe für queere Menschen in der Not gesammelt hat und mit über 15 lokalen NGOs in der Ukraine kooperiert. Dabei waren unter anderem die über Jahre aufgebauten Kontakte und Erfahrungen von Munich Kyiv Queer ganz entscheidend dafür, dass die Hilfe schnell ankommen konnte.

Solidaritätsreisen ins Kriegsgebiet

Mitglieder von Munich Kyiv Queer, unter anderen Sibylle, sind in die Ukraine gereist, um Solidarität mit ihren Freund*innen in der Ukraine zu zeigen, Hilfe zu überreichen, vor allem um den Menschen nah zu sein. Sibylle hat in der Ukraine Raketenangriffe erlebt, aber auch große Dankbarkeit von Menschen vor Ort, dass sie nicht vergessen werden. Ihre Reise hat sie mit Filmen und Texten dokumentiert und Spenden gesammelt. Allein von dieser Reise kamen 14.000 Euro zusammen.

Munich Kyiv Queer sammelt aber auch Geschichten unter dem Motto „Wie lebt Ihr im Krieg?“ und schärft so das öffentliche Bewusstsein für queere Schicksale. Hier möchte ich auf eine Geschichte von Lera, einer trans* Person aus Oleschki im Gebiet Cherson, aufmerksam machen. Oleschki ist immer noch nicht befreit. Dank Munich Kyiv Queer wissen wir, was es heißt, in den von Russland okkupierten Territorien als trans* Person zu leben.

Lera konnte mit der Hilfe der Chersoner Organisation „Insha“ über die Krim, später Russland und Estland nach Berlin fliehen, wo sie heute lebt.

Jubiläumsveranstaltung „40 Jahre Deutsche Aidshilfe“. Foto: Brigitte Dummer

Munich Kyiv Queer setzt sich jetzt aber auch für die Einrichtung von Sheltern ein zur Unterbringung von queeren Geflüchteten aus der Ukraine in sicheren Zufluchtsunterkünften. Das Ziel dabei war und ist darüber hinaus zu erreichen, dass queere Geflüchtete auch in den Communitys in Deutschland ankommen können. Eine Mammutaufgabe. Eine weitere von vielen.

In Berlin wurde am 11. Juli 2023 die Fotoausstellung „Ich bin aus der Ukraine, ich bin in der Ukraine“ mit Fotos und Geschichten von queeren Menschen aus der Ukraine eröffnet.

Die Ausstellung wurde vom KyivPride erstellt, dank Munich Kyiv Queer erschien sie in Deutschland auch auf Deutsch. Die Stationen in Berlin wurden in Zusammenarbeit mit PlusUkrDe – Positive Ukrainer in Deutschland e.V. und der Allianz Ukrainischer Organisationen e.V. organisiert. Wieder konnten queere Schicksale im Krieg sichtbarer werden.

Ein Dank an Munich Kyiv Queer

Ich danke der Kontaktgruppe Munich Kyiv Queer herzlich für ihre Arbeit, für das große Herz, für ihren Mut, für das leuchtende Beispiel der grenzenlosen Solidarität und Menschlichkeit.

Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine dauert an. Menschen, insbesondere queere Menschen in der Ukraine und die, die sich auf der Flucht befinden, benötigen weiterhin unsere Hilfe und Solidarität. Es geht um Zufluchtsorte, um Safe Spaces, um weitere Arbeit gegen Diskriminierung.

Hans-Peter-Hauschild-Preisträger*innen Munich Kyiv Queer und AIDS-Hilfe Emsland. Foto: Brigitte Dummer

In diesem Jahr haben zum ersten mal in der Geschichte der Ukraine das ukrainische Verteidigungs-, das Justizministerium sowie einige Ausschüsse des ukrainischen Parlaments einen Gesetzentwurf über die Registrierung von eingetragenen Partnerschaften offiziell unterstützt. Nun erwarten wir alle die Entscheidung des Parlaments. Dieser Durchbruch ist auch internationalen Verbündeten wie Munich Kyiv Queer zu verdanken. Sie schreiben mit ihrer Tätigkeit in der Tat Geschichte.

Hans Peter Hausschild, der Namensgeber des heute zu überreichenden Preises, stand mit seiner ganzen Person und Arbeit für das „Verlernen der sozialen Grenzen“. Die Arbeit von Munich Kyiv Queer mit ihrer grenzlosen Solidarität erfolgt ganz im Geist dieses „Verlernens“ und „Überwindens“ der Grenzen und der Solidarität.

Mit den besten Wünschen für die Zukunft

Ich wünsche Munich Kyiv Queer für die weitere Arbeit ganz viel Kraft und freue mich sehr, dass der Hans-Peter-Hauschild-Preis heute an sie heute überreicht wird.

Munich Kyiv Queer sammelt weiter Geschichten von LGBTIQ* in der Ukraine. Wir fragen uns: Wie lebt Ihr mit diesem Krieg? Wir wollen das Bewusstsein für die Schicksale queerer Menschen schärfen und um Spenden werben. Dies ist die Geschichte von Pavel.

Pavel stammt aus Mykolajiw. Die Stadt liegt nahe der Front und Pavel lebt noch immer dort. Er ist dankbar für die Hilfe, die er bekommen hat. Weil er krank ist, fällt es ihm schwer, Arbeit zu finden. Und Jobs sind mitten im Krieg ohnehin rar gesät. Deshalb bat er die NGO „You are not alone“ um Unterstützung. VIDEO

„You are not alone“ wird vom Bündnis Queere Nothilfe Ukraine unterstützt, dem auch Munich Kyiv Queer angehört. Es sind Eure Spenden, die hier etwas bewirken.

Vielen Dank auch an Oleksandra Semenova, die uns bei diesem Videoprojekt geholfen hat. Danke an Matt und Stas für die Untertitel. Und Danke an Nikita für die ukrainische Übersetzung.

So könnt Ihr helfen


EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine, die in Not oder auf der Flucht sind. Denn nicht alle sind an ukrainische LGBTIQ*-Organisationen (s.u.) angebunden. Die Hilfe ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr auf PayPal die Option „Für Freunde und Familie“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, Sprecher Munich Kyiv Queer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken.

Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Alle Gesuche aus der Community werden in Zusammenarbeit mit unseren queeren Partner-Organisationen in der Ukraine akribisch geprüft. Können sie selbst helfen, übernehmen sie. Übersteigen die Anfragen die (finanziellen und/oder materiellen) Möglichkeiten der LGBTIQ*-Organisationen, sind wir gefragt.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschand an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort wie „You are not alone“, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen wie im Falle von Volodymyr. Spendet hier

Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen

Die Neuauflage unserer Charity Drag Show aus dem vergangenen Winter: Munich Kyiv Cabaret ist zurück. Am 4. November feiern wir in der Drehleier queere Solidarität mit unseren Freund*innen in und aus der Ukraine. Um 20 Uhr geht’los. Besorgt Euch jetzt die Tickets.

Der Münchner Conférencier und Wirklichkeitsverkäufer Markus Laymann (Foto: Verena Gremmer; u.r.) präsentiert mit Bayerns erster und einziger ukrainischer Drag Queen Samantha Jackson (Foto: Andrew Troyan; u.l.) Künstler*innen aus Bayern und der Ukraine.

Sie alle haben sich zusammengetan, um mit einem unterhaltsamen Cabaret-Abend LGBTIQ* in und aus der Ukraine zu unterstützen. Eine extravagante Show mit Drag, Musik, Burlesque, Magie und Comedy.

Und das sind unsere Gäste aus Deutschland

Beim Enfant Terrible der deutschen Burlesque-Szene RUBY TUESDAY wird es in jeder Hinsicht sehr heiß auf der Bühne. Ruby Tuesday tritt seit elf Jahren europaweit als Neo-Burlesque-Performerin auf. Diese Kunstform erlaubt es den Performenden nicht nur, selbstbestimmt auf kreative und humorvolle Weise mit Weiblichkeit und Sinnlichkeit zu spielen, sondern auch, gesellschaftliche Normen zu hinterfragen und Grenzen zu verwischen.

Ihre Wandlungsfähigkeit lässt Ruby (Foto: Verena Gremmer; u.) in viele Rollen schlüpfen: Sie gibt das fluffige Bunny ebenso überzeugend wie den vor Männlichkeit strotzenden „Ruben Tuesday“ – Ruby war Münchens erster Drag King.

MERRITT OCRACY ist Münchens ukrainische*r Drag-Quing (Foto: Merlyn Charles Nieto; u.l.). Ein Faerie-Harlekin, ein Vintage-Fürst der schelmischen Abgründe, ein Crossover-Chamäleon, das Raum und Zeit durchfliegt und von irgendwoher aus dem Weltall auf der Bühne gelandet ist. Merritt sagt: „Gender is a construct, build your own.“

PERRY STROIKA tut seltsame Dinge (Foto: Verena Gremmer; u.r.) und rhinestoned seine Unterwäsche. Der Münchner Drag King bewegt sich ästhetisch irgendwo zwischen Camp und Campingplatz-Besitzer. In seinen Performances möchte er den Leuten gerne die alberne Seite von Männlichkeit näherbringen.

Aus der Ukraine bekommen wir zu sehen

BEE QUING (Foto u.l.) kam des Kriegs wegen nach Deutschland. Sie lieben es, das Publikum mit ihrer Energie und ihren improvisierten Tanzschritten zu unterhalten. Die Kombination ihrer Tanzleidenschaft mit Drag ist für alle eine Erfahrung, die uns staunen macht.

Die mysteriöse VIRIENA (Foto u.r.), Gewinnerin von Voice Zaporizhzhia, lebt ebenfalls seit gut einem Jahr in Deutschland. Sie hat hier schon viele Konzerte gegeben und begeistert die Fans mit ihrer ausdrucksvollen Stimme.

Sicher wollt Ihr auch noch unsere Hosts kennenlernen

Die ukrainische Drag-Botschafterin SAMANTHA JACKSON aus Odesa hat eine große Bühnenpräsenz, ein großes Herz und eine noch größere Stimme. Alles an ihr ist groß. Vor allem die Sehnsucht nach ihrer alten Heimat, die sie aus bekannten Gründen verlassen musste. Mit ihren Songs erinnert sie an die Ukraine. Ihr Anliegen: Ein Leben in Freiheit! Samantha sagt: „Alle Menschen auf dieser Welt verdienen es, frei zu wählen, wen sie lieben, und zu sein, wer sie sind.“

Der Wirklichkeitsverkäufer MARKUS LAYMANN ist ein Missionar des intelligenten Entertainments. Deshalb ist der Stil seiner Zauberprogramme auch eher kabarettistisch als ernsthaft magisch. Im Vordergrund steht immer die Unterhaltung, das Entertainment für die Zuschauer. In Zeiten, in denen es für den aufgeklärten Zuschauer keine Wunder mehr gibt, ist es wichtiger, ihn direkt anzusprechen, ihn zum Lachen oder Nachdenken anzuregen oder zu überraschen.

Und last but not least

Unsere Bühnenhilfe ist junges Gemüse und die einzige Vitaminquelle, die freiwillig dabei hilft, Unterhosen aufzuheben: Das ist unser liebes Radieschen!

Munich Kyiv Cabaret ist ein Charity-Abend für queere Kriegsopfer. Die Künstler*innen verzichten alle auf ihre Gage; der Eintritt kommt ukrainischen LGBTIQ* zu Gute, die in Not sind oder auf der Flucht.

Am Eingang erwartet Euch am Infodesk das Team von Munich Kyiv Queer, um all Eure Fragen zu beantworten.

Munich Kyiv Cabaret Benefiz-Abend zugunsten von Munich Kyiv Queer
Wann Samstag, 4. November 2023, 20 Uhr; Einlass ab 18.30 Uhr
Wo Drehleier, Rosenheimer Straße 123
Tickets 29/25 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühren, KAUFEN
Veranstaltende Munich Kyiv Queer, Drehleier

So könnt Ihr jetzt schon helfen


EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine, die in Not oder auf der Flucht sind. Denn nicht alle sind an ukrainische LGBTIQ*-Organisationen (s.u.) angebunden. Die Hilfe ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr auf PayPal die Option „Für Freunde und Familie“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, Sprecher Munich Kyiv Queer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken.

Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Alle Gesuche aus der Community werden in Zusammenarbeit mit unseren queeren Partner-Organisationen in der Ukraine akribisch geprüft. Können sie selbst helfen, übernehmen sie. Übersteigen die Anfragen die (finanziellen und/oder materiellen) Möglichkeiten der LGBTIQ*-Organisationen, sind wir gefragt.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschand an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort wie „You are not alone“, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen wie im Falle von Volodymyr. Spendet hier

Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen

Munich Kyiv Queer sammelt weiter Geschichten von LGBTIQ* in der Ukraine. Wir fragen uns: Wie lebt Ihr mit diesem Krieg? Wir wollen das Bewusstsein für die Schicksale queerer Menschen schärfen und um Spenden werben. Dies ist die Geschichte von Volodymyr.

Volodymyr lebt in der Region Ternopil. Er ist 24 Jahre alt und kann keine Arbeit finden. Es gibt einfach keine Jobs mehr. Deshalb hat er sich mehrfach an die LGBTIQ*-Organisation „You are not alone“ gewandt und um Hilfe gebeten. Und sie haben geholfen. Dank ihnen konnte er Lebensmittel, Medikamente und Hygieneartikel kaufen. Sie haben ihm dafür Gutscheine gegeben, aber auch Geld. Hier ist sein VIDEO

„You are not alone“ wird vom Bündnis Queere Nothilfe Ukraine unterstützt, dem auch Munich Kyiv Queer angehört. Es sind Eure Spenden, die hier etwas bewirken. Dafür eine herzliche Umarmung!

Vielen Dank auch an Oleksandra Semenova, die uns bei diesem Videoprojekt geholfen hat. Danke an Matt und Stas für die Untertitel. Und Danke an Nikita für die ukrainische Übersetzung.

So könnt Ihr helfen


EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine, die in Not oder auf der Flucht sind. Denn nicht alle sind an ukrainische LGBTIQ*-Organisationen (s.u.) angebunden. Die Hilfe ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr auf PayPal die Option „Für Freunde und Familie“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, Sprecher Munich Kyiv Queer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken.

Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Alle Gesuche aus der Community werden in Zusammenarbeit mit unseren queeren Partner-Organisationen in der Ukraine akribisch geprüft. Können sie selbst helfen, übernehmen sie. Übersteigen die Anfragen die (finanziellen und/oder materiellen) Möglichkeiten der LGBTIQ*-Organisationen, sind wir gefragt.

HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschand an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort wie „You are not alone“, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen wie im Falle von Volodymyr. Spendet hier

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