Alex: „Ich spüre in München die Freiheit, ich selbst zu sein“
Voneinander lernen, gemeinsam kämpfen. Das ist das Motto, unter dem Munich Kyiv Queer seit Jahren queere Menschen aus der Ukraine zum „Volunteers Workhop“ nach München einlädt. Im Fokus: Das Ehrenamt. Das Ziel: Vermitteln, was die Community dank des Engagements ihrer Mitglieder alles erreichen kann! Im „Volunteers Blog“ schreiben unsere Gäste, was sie bewegt. Alex zum Beispiel sieht einen großen Unterschied zwischen der LGBTIQ*-Community in München und seiner Heimatstadt Kyjiw: die Ruhe und Stabilität einerseits, die Schnelligkeit und Flexibilität andererseits. Er fragt sich, was er davon zuhause für sich anwenden kann.
Ich bin am Sonntag angekommen. Montag und Dienstag war das Programm gleich ziemlich vollgepackt. Wir wurden mit lokalen Initiativen und der Entwicklungsgeschichte der LGBTIQ*-Community in München vertraut gemacht und trafen uns dafür mit Vertreter*innen verschiedener queerer Organisationen.
Ich glaube nach alledem habe ich verstanden, wie die Arbeit der Community in München organisiert ist. Ich war beeindruckt von der Strukturiertheit der Organisationen sowie von ihrer Vielfalt – alle können etwas für sich finden. Die Prozesse sind formalisiert, die Rollen der Beteiligten klar definiert und die Aktivitäten langfristig ausgerichtet. Es ist offensichtlich, dass all diese LGBTIQ*-Organisationen stabil sind und eng mit der Stadt und den politischen Institutionen zusammenarbeiten.
München bietet ein Gefühl der Freiheit, Ruhe und Stabilität
Gleichzeitig fällt es mir schwer, meinen Aufenthalt hier nur als berufliche Erfahrung zu betrachten. Für mich als Ukrainer und Psychologiestudent ist er untrennbar mit persönlichen Empfindungen verbunden. Seit dem Moment, als ich zum ersten Mal aus der U-Bahn auf die Straße trat, erfüllt mich ein Gefühl der Freiheit. Ich sehe die Vielfalt der Menschen, die Nationalitäten und Identitäten. Und ich fühle mich als gleichberechtigter Teil dieser Vielfalt. Ich fühle mich akzeptiert, ich spüre die Freiheit, ich selbst zu sein. Das ist für mich eine äußerst wertvolle Erfahrung.



München wirkt wie eine sehr ruhige, sichere und berechenbare Stadt. Das zeigt sich im Lebenstempo, im Umgang der Menschen miteinander und in der Gestaltung des öffentlichen Raums. Nach dem ukrainischen Kontext, in dem derzeit viel Unsicherheit und Anspannung herrscht, fällt diese Stabilität besonders auf. Sie inspiriert mich.
In der Ukraine braucht es Schnelligkeit, Flexibilität und ein hohes Maß an persönlichem Engagement
Dieser Unterschied wirkt sich auch auf die Wahrnehmung der Arbeit aus. In der Ukraine erfordert die Arbeit in der Community oft schnelle Reaktionen, Flexibilität und ein hohes Maß an persönlichem Engagement. In München hingegen spürt man eine andere Logik. In den lokalen Organisationen sehe ich eine stärkere Ausrichtung auf die Stabilität des Systems, auf Verfahren und auf eine verteilte Verantwortung. Das entlastet einzelne Personen und macht die Arbeit nachhaltiger. Auf eine solche Arbeit lässt sich viel leichter stützen.

Im ukrainischen Kontext ist es schwierig, Berufliches vom emotionalen Befinden zu trennen. Genau deshalb vereint dieser Text beide Dimensionen. Einerseits sehe ich konkrete Ansätze und Modelle, die für die Arbeit in der Ukraine angepasst werden können. Andererseits bemerke ich, wie sich mein Selbstempfinden in einem anderen Umfeld verändert. Genau dieses Gefühl wird für mich die Grundlage und die Energie für meine Arbeit sein, wenn ich in die Ukraine zurückkehre.
Der Vergleich ist wertvoll für meine Arbeit zuhause
Bislang ist dies nur ein Teil meines Aufenthalts in München, aber schon jetzt ist klar, dass diese Erfahrung nicht nur als Wissensaustausch über die Organisation der Arbeit wertvoll ist. Sie gibt mir auch die Möglichkeit, meine Tätigkeit aus der Perspektive einer anderen Kultur und anderer Lebenserfahrungen zu betrachten.



Nach meiner Rückkehr in die Ukraine wird es meine Aufgabe sein, zu bestimmen, was davon auf den ukrainischen Kontext übertragen werden kann – sowohl organisatorisch wie auch emotional – und was neu überdacht und angepasst werden muss.
Am Freitag sprechen Alex und die anderen im LeZ über ihre Woche in München
Erzählcafé LGBTIQ*-Aktivist*innen aus der Ukraine berichten
Wann Freitag, 8. Mai 2026, 19 Uhr
Wo Lesbisch-Queeres Zentrum LeZ, Müllerstraße 26
Veranstaltende Gay Alliance Ukraine, LeZ, CSD München, Munich Kyiv Queer, Kulturreferat der Stadt München
So könnt Ihr helfen
EINZELFALLHILFE Munich Kyiv Queer unterstützt mit einer eigenen, privaten Spendenaktion über www.paypal.me/ConradBreyer die Menschen in der Ukraine, die in Not oder auf der Flucht sind. Denn nicht alle sind an ukrainische LGBTIQ*-Organisationen (s.u.) angebunden. Die Hilfe ist direkt, schnell und gebührenfrei, wenn Ihr auf PayPal die Option „Für Freunde und Familie“ wählt. Wer kein PayPal hat, kann alternativ an das Privatkonto von Conrad Breyer, Sprecher Munich Kyiv Queer, IBAN: DE42701500000021121454, Geld schicken.
Wir helfen unsere Freund*innen und Partnern. Alle Gesuche aus der Community werden in Zusammenarbeit mit unseren queeren Partner-Organisationen in der Ukraine akribisch geprüft. Können sie selbst helfen, übernehmen sie. Übersteigen die Anfragen die (finanziellen und/oder materiellen) Möglichkeiten der LGBTIQ*-Organisationen, sind wir gefragt.
HILFE FÜR LGBTIQ*-ORGANISATIONEN Wir haben zum Schutz von LGBTIQ* aus der Ukraine das Bündnis Queere Nothilfe Ukraine mitgegründet. Ihm gehören um die 40 LGBTIQ*-Organisationen in Deutschand an. Sie alle haben ganz unterschiedliche Kontakte in die Ukraine und sind bestens vernetzt mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort, die Gelder für die Versorgung oder Evakuierung queerer Menschen brauchen. Spendet hier
Fragen? www.MunichKyivQueer.org/helfen
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