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„Eine einzige Tasche konnten wir mitnehmen“, Kaya aus Charkiw

28.07.2022 | cb — Keine Kommentare
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Fünf Monate Krieg! Tausende von LGBTIQ* sind aus der Ukraine geflohen, Zehntausende sind im Land unterwegs, auf der Suche nach einem sicheren Ort.

Ein neues Leben für Tochter und Mutter

Sie alle brauchen unsere Hilfe, aber nicht alle wollen nur von Almosen leben. Die meisten versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen, wie Kaya aus Charkiw.

„Mein Name ist Kaya. Ich bin eine trans* Frau aus Charkiw und 28 Jahre alt. Ich lebe mit meiner Mutter zusammen.

Vor dem Krieg habe ich lange Zeit als Straßenbahnfahrerin in der Stadt gearbeitet und bin dann nach Kyjiw versetzt worden ins Depot. In meiner Freizeit habe ich mich viel mit Musik und Gesang beschäftigt. Ich bin auch eine Aktivistin, nahm am KharkivPride teil und konnte mich viel mit Gleichgesinnten austauschen. Das waren im Rückblick tolle Zeiten.

Mutter hatte sich das Bein gebrochen

Am Tag, als der Krieg begann, wollten wir gerade meine Mutter ins Krankenhaus bringen. Sie hatte sich das Bein gebrochen. Aber der Wagen kam nie an.

Wir mussten Charkiw unbedingt auf irgendeine Weise verlassen. Der Taxifahrer wollte 4.000 Hrywnja für die Fahrt zum Bahnhof, statt der üblichen 200.

Das Schlimme war, dass meine Mutter nicht mehr aufstehen konnte. Ich bin den Menschen sehr dankbar, die uns in dem Moment geholfen haben. Dann stiegen wir in den Zug, der uns von Charkiw wegbrachte. Vielen Dank an die ukrainische Eisenbahn für all die Überstunden! Wir konnte nur eine Tasche mitnehmen.

Wir bauen nun Gemüse an

Jetzt sind wir an einem relativ sicheren Ort, in der Region um Kyjiw. Aber kaum waren wir umgezogen, stellten wir fest, dass wir Hilfe brauchten, denn es gab keine Arbeit, kein Geld. Wir fanden uns auf einem kleinen Stück Land mit einer kleinen Hütte wieder, Wasser war im Brunnen. Schön, aber all das musste erst einmal in Ordnung gebracht werden.

Wir brauchten Schmerzmittel für meine Mutter, Spritzen, Salben, Tests, Röntgenaufnahmen. Wir musste auch einfache Dinge kaufen wie Seife, Shampoo, Körperpflegeartikel. Und dann der Hof.

Dank an „Du bist nicht allein“

Ich erfuhr von der NGO „Du bist nicht allein“ und habe mich an Oleksandra Semenova gewandt, die unsere Situation sehr verantwortungsbewusst und sorgfältig geprüft hat. Die Gruppe kümmert sich langfristig um die Leute; das ist anders als bei vielen Hilfsorganisationen.

In den vergangenen vier Monaten haben wir mehrere Überweisungen erhalten. Wir konnten so unsere Grundbedürfnisse decken. Und wir haben den Hof neu errichtet. Sobald wir können, geben wir von dem, was wir hier erwirtschaften, gerne etwas zurück.

Kuratiert von: NGO „Du bist nicht allein“

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